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Reiseberichte

Nepal-Reise Dezember 2014

Nepalbericht Weihnachten 2015

Dieser Nepaleinsatz war der schwierigste und anstrengendste in den über 20 Jahren meiner ehrenamtlichen Aktivitäten in Kathmandu.

Die Menschen sind traumatisiert, auch wenn hektische Aktivität allerorts Trauer, Angst und permanente Anspannung notdürftig überdecken. Der Alltag muss trotz schwerster Belastungen bewältigt werden, fordert den vollen Einsatz. Zum einen sind die Folgen des verheerenden Erdbebens im Frühjahr 2015 noch längst nicht überwunden. Auch wenn in „unserem“ Stadtteil Boudanath und in der Innenstadt noch viele Häuserreihen stehen geblieben und mit Rissen in den Wänden davon gekommen sind, gibt es auch hier immer wieder Ruinen und Trümmerhaufen, die an frühere Gebäude erinnern. Als ich den Boudha Stupa gleichsam verstümmelt vorfand, war ich zutiefst erschüttert. Der gesamte Überbau mit den allgegenwärtigen liebevollen Buddhaaugen liegt im Schutt, der verbliebene Rumpf hat Risse bekommen und ruht beschädigt und grau wie ein Corpus in den zum Glück noch erhaltenen Umgrenzungsmauern. Ein mächtiges Stahlgerüst spannt sich an einer Seite darüber und lässt auf den Wiederaufbau hoffen, auch wenn auf der Baustelle kaum ein Arbeiter zu entdecken ist. Die Fahne am Scheitelpunkt der Kuppel bietet etwas Trost, wird mir von den Anwohnern berichtet. Dennoch empfinde ich beim Anblick des verstümmelten Stupas einen körperlichen Schmerz, der mir den Atem nimmt. Und dennoch werden die Folgen des Erdbebens von den Menschen, mit denen wir gesprochen haben, als weniger schmerzhaft und bedrohlich empfunden als die schlechte Versorgungslage durch den Konflikt mit Indien. Seit Monaten ist der Gütertransport nach Nepal generell eingeschränkt, sodass es einen akuten Mangel an Treibstoff, Gas und Lebensmitteln gibt. Auf den Straßen sind endlose Schlangen Wartender zu beobachten, die sich Tag und Nacht anstellen müssen, um ein begrenztes Kontingent an Benzin bzw. Gas zum Kochen zu bekommen. Der Schwarzmarkt blüht, die Preise explodieren. Holzöfen und Feuerstellen zum Kochen tragen zu einer Verschlimmerung der ohnedies beträchtlichen Luftverschmutzung bei.

Walter vom Taramandala in Fichtheim, der mich auch dieses Jahr wieder begleitete, unterstützte und die Fotoregie übernahm, und ich waren insofern betroffen, als der Generator im Kopan Nunnery wegen Treibstoffmangel nur mit wenigen Ausnahmen angestellt werden konnte und dann auch noch zusammenbrach. Wir mussten also bei Dunkelheit ohne elektrisches Licht auskommen und auch auf den Komfort eines Elektrostrahlers zum gelegentlichen Aufwärmen mussten wir verzichten. Dunkelheit und Kälte bis in die Knochen machten das Zubettgehen und Aufstehen zu einer Herausforderung.

Unsere Freunde im Kloster wussten von weiteren Belastungen der letzten Monate zu berichten. Die Regierung hat eine Verfassungsänderung geplant. Nepal soll auf den Druck Indiens hin wieder ein hinduistischer Staat werden und allen anderen Religionsgemeinschaften einschließlich des Buddhismus sollen entrechtet werden. Dies führte zu gewaltigen Demonstrationen der Mönche und Nonnen zusammen mit den Christen und Muslimen (die es zunehmend in Nepal gibt). Für die Tibeter war es wie ein Aufleben der schlimmen Auseinandersetzungen mit der Polizei 2008, als unter dem Einfluss Chinas tibetische Proteste (wegen der Olympiade und den Misshandlungen ihrer Landsleute) niedergeknüppelt wurden. Diese neuerlichen Zusammenstöße mit der Staatsgewalt waren umso schmerzlicher, da gerade die tibetisch buddhistischen Klöster nach dem Erdbeben der nepalesischen Bevölkerung spontan und selbstlos Hilfe leisteten, Nahrungsmittel verteilten und medizinische Versorgung boten. Bilder in den Zeitungen zeigten damals Mönche und Polizei Arm in Arm. Noch ist die religiöse Frage nicht geklärt und die Bedrohung steht im Raum.

Unter den geschilderten Bedingungen wird es niemanden verwundern, dass sowohl Tibeter wie Nepalesen das Land geradezu fluchtartig verlassen. Wer irgendwie irgendwo eine Chance findet wandert aus. Das haben wir auch in unserer Dakiniarbeit beobachtet. Wir müssen nicht wenigen Paten mitteilen, dass die von ihnen unterstützten Familien bzw. Kinder nicht mehr da sind, ins Ausland gegangen sind. Wir möchten Sie bitten, ggf. neue Patenschaften zu übernehmen, damit für die Zurückgebliebenen gesorgt werden kann. Gerade sie brauchen jetzt Hilfe. Der Fahrer des Jeeps, Sila, mit seine beiden Töchtern und einem schmerzhaften Rückenleiden und der Pförtner mit seiner siebenköpfigen Familie im Nunnery gehören dazu, oder Suresh, der Gärtner, dem das Beben sein bescheidenes Häuschen zerstört hat und der nun in einer Wellblechhütte haust. Wir können durch freie Spenden beim Aufbau einer neuen stabileren Unterkunft helfen, aber die Beschulung seines Sohnes müsste durch einen Paten abgedeckt werden. Besonders anrührend war der Besuch bei einer tibetischen Familie in Boudha. Der 90 jährige Jamphel, total ausgemergelt und nur noch Haut und Knochen ist bettlägrig und sorgt sich um seine 85 jährige Frau, die er nicht alleine lassen möchte. Sie leiden sehr unter der schlechten Versorgungslage, haben sie doch keine Rücklagen mehr, weil die medizinische Behandlung alle finanziellen Reserven aufgebraucht hat. Jamphel war Mönch im Potala und reiste zusammen mit dem Dalai Lama nach China, zu den Gesprächen mit Mao Tse tung. Er floh dann in der Zeit der chinesischen Besatzung Tibets nach Indien und arbeitet in der Verwaltung der Exilregierung in Dharamsala. Von dort kam er durch ein Geschäftsprojekt nach Kathmandu, wo er nun seit vielen Jahren lebt. Lhakpa Tsamchoe, eine Nichte des alten Paares aus Bir (Indien) kommt immer wieder, um sich um die beiden zu kümmern, muss dann aber ihren elfjährigen Sohn Tenzin Tsultrim zurück lassen, der dort in Suja zur Schule geht. Die Reise ist anstrengend und muss finanziert werden, was sich Lhakpa eigentlich nicht leisten kann. Wir suchen deshalb einen Paten für die Familie, die übrigens mit Dagri Rinpoche verwandt ist.

Auch im Nunnery gibt es Nonnen, die aus gesundheitlichen Gründen Paten brauchen. Urgyen Tsomo mit ihren 43 Jahren lebt bereits seit 20 Jahren im Kloster. Sie ist zu Fuß aus Tibet über den Himalaya nach Solokhumbu gekommen und war schon immer kränklich. In den letzten Jahren entwickelte sie im Sommer während der Monsunzeit rezidivierende riesige Abszesse, die sie daran hindern zu sitzen und ruhig zu schlafen, weil jede Berührung unerträglichen Schmerz verursacht. Die operativen Eingriffe und die Antibiotika sind kostspielig.

Es gibt aber auch noch gute Neuigkeiten. Sonams “Mother`s Day Care“ hat sich gut entwickelt. Sie betreut z.Zt. 50 Kinder zwischen 6 Monaten und 3 Jahren mit der Unterstützung von acht Helferinnen. Sonam ist von der Montessori Pädagogik sehr angetan und hat auch schon einschlägiges Material besorgt. Sie wünscht sich fachliche Unterstützung und würde sich sehr freuen, wenn sich jemand fände, um sie ganz praktisch in ein paar Grundtechniken einzuführen. Ein Volontariat von ein paar Wochen könnte schon etwas bringen, meint sie.

Zu meinem großen Erstaunen bin ich in den 10 Tagen meines Aufenthalts zweimal einer Müllabfuhr begegnet. Ich kann auch berichten, dass manche Straßen erstaunlich sauber waren. Für die Reinigung der Wasserläufe wird allerdings offensichtlich noch nicht gesorgt.

Zur Situation im Nunnery: Die Vorderfront der alten Gompa musste nach dem Beben vollständig erneuert werden. Die neueren Gebäude weisen Risse auf, die jedoch geflickt werden können. Die Innenausstattung der neuen Gompa ist überwältigend schön geworden und es war beglückend, die Neujahrspuja in ihr zu erleben. Zusammen mit Ulrich und Sabine haben wir zum 1.1.2016 eine Tarapuja in Auftrag gegeben, um für das alte Jahr zu danken und für das neue Glück und Segen zu erbeten. Wir haben alle Dakini-Mitglieder, Paten und Unterstützer einbezogen und hoffen, die guten Wünsche werden in Erfüllung gehen.

Da die meisten erwachsenen Nonnen und Mönche zu den Belehrungen des Dalai Lama in S-Indien waren, wollten wir die zurückgeblieben Kleinen und Kranken ein wenig aufheitern. Deshalb haben wir am letzten Tag des alten Jahres ein Picknick auf einem Hügel in der Nähe der Nunnery arrangiert. Mit etwa 30 Nonnen waren wir gut eineinhalb Stunden zu Fuß unterwegs, um uns über einem kleinen Wäldchen auf einem Plateau nieder zu lassen, etwas zum Knabbern und Trinken anzubieten und unter Sonams Anleitung vergnügt und ausgelassen zu spielen. Es waren ein paar der unbeschwertesten Momente unseres Aufenthalts, die wir sehr genossen.

Mit diesen positiven Eindrücken möchte ich meinen Bericht abschließen. Um der anbrandenden Schwermut während meines Aufenthalts entgegen zu wirken, habe ich mich durch die Lektüre „Die Reise ins lebendige Leben“ von Joanna Macy und Molly Young Brown immer wieder gestärkt, ein Buch das ich nur empfehlen kann. Es eine Quelle der Hoffnung in der Dunkelheit .

Ich werde mich in den nächsten Wochen bei verschiedenen Paten melden, um sie zu bitten, ihre Patenschaft zu transferieren bzw. über Patenkinder zu berichten, wenn es Besonderheiten gibt. Bitte geben Sie mir etwas Zeit.. Norbu, Sonams Mann, hat sich bereit erklärt, die Dankesbriefe einzuscannen und sie an die Sponsoren zu verschicken. Dadurch konnte ich mir den Transport und das mühsame Versenden der Post diesmal ersparen. Ich bin sehr dankbar dafür. Meine nächste Reise nach Nepal ist in einem Jahr geplant. Die nächste Auszahlung der Patengelder soll aber bereits nach 6 Monaten durch Sonam erfolgen.

Noch ein Nachtrag zur Weihnachtspost 2015, die angekündigt wurde, aber nicht abgeschickt werden konnte. Die Briefe lagen in Ani Jangsems Zimmer, bereit zum Verschicken, als das Erdbeben das Klostergebäude erschütterte und für Tage wegen der Einsturzgefahr nicht zu begehen war. Das Zimmer war dann durch den verschobenen Türrahmen nur gewaltsam zu öffnen. Durch die Risse in der Wand war die Post völlig durchnässt und mit Schutt bedeckt, also unverschickbar. Wir bitten um Nachsicht! Wir gehen davon aus, dass dieses Jahr die Post der verreisten Nonnen und Mönche durch Norbus Einsatz zeitnah auf dem Weg der Elektronik verschickt werden kann.
Die von Walter gefertigten Fotos finden Sie in den nächsten Tagen auf unserer Website. Die Aufnahmen der Demonstrationen und der unmittelbaren Schäden nach dem Erbeben sowie die Dankesbanner für die Dakini-Unterstützung durch freie Spenden stammen von Ani Jangsem.

Mit allen guten Wünschen für das Neue Jahr und herzlichem Dank für Ihr Vertrauen und die Unterstützung unserer Projekte und Patenschaften

Ihre

Eva Anderson


Bilder der Patenkinder finden Sie hier.

Bilder der Schule finden Sie hier.



Indienreise 2014

Bericht von der Indien-Reise 2014

INDIENREISE Oktober 2014

Dieses Jahr habe ich die Reise nach Dharamsala in den Oktober verlegt, weil ich an der zweiten internationalen „Body-Mind and Life Conference“ vom 01.-03.10.2014 des Men-Tsee-Khang, dem Institut für Tibetische Medizin, teilnehmen wollte. In der Annahme, der Monsun wäre vorüber, nahm ich das Flugzeug von Delhi nach Dharamsala. Dadurch konnte ich mir die anstrengende zehnstündige Autofahrt in den Norden ersparen, dafür musste ich aber 10 Stunden auf den Anschlussflug warten. Das Hotelzimmer war unerträglich stickig, die Klimaanlage heftig und laut, sodass ich ständig zwischen zwei Übeln hin und her pendelte. Von Erholung konnte keine Rede sein. Dafür war der Flug komfortabel und die Sicht auf den Himalaya gigantisch.

Thupten und seine Frau Migmar, unsere Repräsentanten des Dakini-Netzwerkes in Dharamsala, holten mich ab. Als erstes wurde ein Picknick mit Buttertee, Momos und Chapati auf dem Rasenstreifen vor dem vor dem Flugplatz ausgebreitet. Dann ging es zum Men-Tsee-Khang. Tsering Dolma, die Sponsorship Secretary, begrüßte mich mit überschwänglicher Freude und machte sich gleich daran, für den nächsten Tag eine Fahrt zum Haus der Men-Tsee-Khang Rentner in Chauntra zu organisieren.

Obschon alle im Institut schwerstens mit der Vorbereitung der Konferenz beschäftigt waren, gelang es ihr, ein hauseigenes Fahrzeug aufzutreiben und wir genossen die mehrstündige Fahrt durch die zauberhafte Landschaft mit dichten Wäldern, fruchtbaren Feldern und kraftvollen Flüssen. Die Hausgemeinschaft in dem „Old People Home“ begrüßte uns mit größter Herzlichkeit und strahlenden Gesichtern. Sie zeigten uns stolz ihre kleine Klinik, wo auch die Bevölkerung der umliegenden Dörfer medizinische Hilfe erhält. Eine tibetische Ärztin ist immer vor Ort, sie wohnt in dem Gebäude. Die Versammlungshalle ist fast fertig und ein Bekannter aus Frankfurt, Kay Ehrbar, gab in dem Saal gerade Akupunktur-Unterricht für Tibetische Ärzte. Das war eine Überraschung!

Auf dem Rückweg konnten wir einen Spezialauftrag im TCV (Tibetan Children Village) Chauntra erledigen, wo eines unserer Patenkinder schwer erkrankt ist. Der Junge war leider im Krankenhaus, wir konnten aber seine Schwester treffen um Post von der besorgten Patin abzugeben. Im Nunnery von Dolma Ling konnten wir Gebete und eine Puja für Irmtraud Wäger in Auftrag geben. Ich hatte nämlich erfahren, dass sie schwer erkrankt sei und mit dem Tod kämpfe.- Irmtraud Wäger ist die Begründerin der „Deutschen Tibethilfe“. Sie hat sich Jahrzehnte lang hingebungsvoll für das Wohl der Tibeter eingesetzt und im großen Rahmen Spenden für die Bedürftigen gesammelt. Es gibt wohl kaum eine Schule, ein Kloster oder sonst eine tibetische Einrichtung im Exil, das nicht von ihr unterstützt wurde. - Irmtraud, von S.H. dem Dalai Lama und seinen Landsleuten liebevoll „Ama la“ ( verehrte Mutter) genannt, verstarb dann zwei Tage später friedlich in ihrer Wohnung in München mit dem Segen des Dalai Lama und vieler buddhistischer Würdenträger und unter der Anteilnahme zahlloser Freunde und Unterstützer ihres Lebenswerkes. Sie bleibt bei uns, in unserem Herzen, als ein großes Vorbild für einen bedingungslosen Einsatz zum Wohle der Mitmenschen und aller Wesen.

Der nächsten Tag wurde durch einen ausgiebigen Besuch des Tempels S.H. des Dalai Lama würdig begonnen. Tenzin Gyaltsen, die rechte Hand von Dagri Rinpoche nahm sich trotz überfülltem Terminkalender für mich Zeit und wir nahmen dann sogar ein reichhaltiges Frühstück zusammen ein, bevor wir Tushita, das Kloster von Lama Yeshe und Lama Zopa Rinpoche (die Gründer des Klosters Kopan in Kathmandu) hoch oben am Berg besuchten. Es war ein strahlender Tag mit einem herrlichen Ausblick auf das weite Tal auf der einen und die mächtigen Gipfel des Himalaya auf der anderen Seite. Wir umrundeten den Stupa von Lama Yeshe und genossen die friedliche Stille des Ortes. Beim Abstieg konnte einen ersten Blick auf die versteckten Einsiedlerhütten am Hang werfen, die ich vor meiner Abreise noch besuchen konnte. Am Nachmittag begann ich mit Thuptens Hilfe das Geld an die Patenkinder auszuzahlen. Damit waren wir bis spät abends gut beschäftigt.

Am Mittwoch sollte die Konferenz mit einer Audienz bei S.H. dem Dalai Lama beginnen. Es herrschte eine riesige Aufregung bei Organisatoren und Teilnehmern, das Chaos war komplett. Trotz aller Schwierigkeiten konnten wir dann mit stundenlanger Verspätung alle in dem vorgesehenen Saal in der Residenz S.H. Platz nehmen und nochmals voll Spannung auf sein Erscheinen warten. Endlich kam er! Locker und heiter wie immer begrüßte der Dalai Lama die etwa 300 Anwesenden und lobte das Men-Tsee-Khang für seine Bemühungen um eine Zusammenarbeit zwischen traditionellen asiatischen Heilmethoden und westlicher medizinischer Wissenschaft. Er plädierte für eine fruchtbare Ergänzung der unterschiedlichen Disziplinen und für die Entwicklung neuer Möglichkeiten und Methoden, um den Ärzten bei der Bekämpfung von körperlichen und seelischen Krankheiten ein verbessertes Handwerkzeug zu geben. Am Ende seines Vortrags, durften wir S.H. persönlich Kathaks (die traditionellen Glücksschals) überreichen. Und dann kam der große Regen, typisch Monsun! - Aus tibetischer Sicht eine Menge Segen. Klitsche nass und durchfroren kamen wir ins MTK zurück und mussten erst mal die Kleider wechseln.- In diesem Jahr wollte der Monsun nicht so recht einsetzen, wurde mir erzählt. Nun mag er aber auch nicht aufhören, es gibt unverhältnismäßig viel Niederschlag für diese Jahreszeit. Das musste ich im Laufe meines Aufenthalts immer wieder erleben. Der Klimawandel bereitet auch in Dharamsala allen Sorgen. Sie können mit eigenen Augen beobachten, wie die Gletscher in einem beängstigenden Tempo schmelzen und sie müssen erleben, wie die Fluten alles mitreißen, was ihnen in den Weg kommt. Früher waren diese Katastrophen auf die Regenzeit beschränkt, jetzt besteht eine permanente Bedrohung.

Am Nachmittag des ersten Kongresstages begannen die zahlreichen Vorträge von indischen und tibetischen Fachleuten aus dem medizinischen und philosophischen Bereich. Es wurde viel und für westliche Mediziner nicht leicht verdauliches Wissen dargeboten. Absolut neue Begriffe und Systeme in einem schwer verständlichen Englisch vorgestellt, bedeuteten eine erhebliche Herausforderung.

Am Donnerstag den 02.10. wurde der Geburtstag von Mahatma Gandhi und der 25. Jahrestag der Verleihung des Friedensnobelpreises an S.H. den Dalai Lama gefeiert. Wir wohnten den Feierlichkeiten im Tsulakhang (Tempel S.H.) mit verschiedenen Ansprachen und Folklore bei. Dicht gedrängt harrten wir in der bunten Schar von Tibetern und Westlern einige Stunden aus und waren erleichtert, als wir uns endlich wieder bewegen konnten.

Voll freudiger Erwartung eilte ich dann mit Thupten zur Residenz von Dagri Rinpoche (seinem Bruder), wo wir zum Lunch eingeladen waren. Die Begrüßung war herzlich und Rinpoche strahlte wie immer eine gütige, liebevolle Präsenz aus. Er erinnerte sich mit großem Vergnügen an seine Besuche in Würzburg und lässt alle ganz herzlich grüßen! Rinpoche hat ein Anliegen, das ich gerne weitergeben möchte: Er wurde von einem Mönch aus dem Umfeld S.H. des Dalai Lama um Unterstützung für einen zwölfjährigen Jungen gebeten, der wegen seines Autismus in der Sondereinrichtung für Behinderte in Dehradun untergebracht ist. Die Eltern leben als Bauern in Ladakh und haben keine finanziellen Mittel, um ihren Sohn zu besuchen oder ihm irgendwelche Zuwendungen zukommen zu lassen. Wir suchen deshalb eine Patin für Tenzin Bakdo und seine Familie.

Am Abend waren alle Kongressteilnehmer zu einer Vorstellung des TIPA (Tibetan Institut for Performing Art) eingeladen. Ich hatte die Gelegenheit eines unserer Patenkinder, Tenzin Nyima aus Kathmandu, dort zu treffen, er studiert im zweiten Jahr traditionellen Tibetischen Tanz und Gesang. Es war eine große Freude für uns beide. Die Vorstellung auf der wunderbar bunt geschmückten Bühne (und einem Bild des Potalapalastes im Hintergrund) war beeindruckend, voll Lebensfreude und Leichtigkeit und wir gingen beschwingt und fröhlich heim. Die verschlammte und glitschige Straße und der Verkehrsstau in der Umgebung von McLeod Ganj spielten für uns keine Rolle, wir waren einfach guter Dinge.

Am letzten Tag des Kongresses konnte ich Tenzin Yangzom und ihre Familie und die Manali Nonnen trotz dichtem Programm noch sehen. Der Vater der beiden Nonnen hat schwer abgebaut (20 kg an Gewicht verloren), aber er ist nicht bettlägerig. Der Magenkrebs schreitet schnell fort und an eine Genesung ist nicht zu denken. Die beiden Schwestern weinen still vor sich hin, finden aber im Gebet Halt. Tenzin Yangzom ist guter Dinge, die Kinder wachsen heran und die Gelenkschmerzen halten sich in dieser Jahreszeit in Grenzen. Problematisch wird es erst in der Winterskälte. Ihr Mann Dorje arbeitet weiterhin in der Küche des TCV. Der nicht mehr so kleine Tenzin (er ist jetzt 12 Jahre) bekommt Unterstützung, damit er den Lernstoff besser bewältigen kann. Die frühe Traumatisierung durch den Gefängnisaufenthalt in Kathmandu als Säugling hat ihre Spuren hinterlassen!

Am Tag meiner Abreise lud mich Tenzin Gyaltsen nochmals zum Frühstück ein und dann besuchten wir die beiden Einsiedlerinnen unterhalb des Tushitaklosters. Die beiden Nonnen kommen ursprünglich von der Ghari-Gompa in Tibet, dem Stammkloster von Dagri Rinpoche. Es liegt außerhalb von Lhasa und die berühmte „singende Nonne“ Ngawang Sandrol hat ebenfalls dort gelebt. Die beiden Nonnen beteiligten sich ebenfalls an politischen Protesten, wurden gefangen gesetzt, gefoltert und nach Monaten schwerer Misshandlungen wieder frei gelassen. Sie flohen vor 16 Jahren über den Himalaya zu Fuß nach Indien und leben seither im Retreat. Ihre armseligen Hütten sind notdürftig in Stand gesetzt, aber ihre bisherige Sponsorin ist aus persönlichen Gründen nicht mehr in der Lage, für ihren Lebensunterhalt, sprich Nahrungsmittel und Medizin, aufzukommen. Wir suchen deshalb Paten für die beiden Nonnen. Die ältere der beiden leidet unter schwerem Rheuma, und sie muss sowohl kostspielige westliche wie tibetische Medizin einnehmen, um die Schmerzen zu ertragen. Da die Zeit knapp wurde, mussten wir eilig ins MTK zurück kehren, damit ich rechtszeitig zum Flieger kommen konnte.
Zu Mittag ging es dann durch dichten Nebel und Regen zum Flugplatz. Je weiter wir ins Tal hinunter kamen, desto freundlicher wurde es, sodass wir schließlich sogar ein kleines Abschieds-Picknick zelebrieren konnten. Die Maschine hob mit zwei Stunden Verspätung ab, was für indische Verhältnisse durchaus im Rahmen ist. So nahm die Reise ein gutes Ende und ich bin am nächsten Morgen wohlbehalten in Hamburg angekommen.

Nepal Weihnachten 2013

Kinderfest

Nepalbericht Weihnachten 2013

Liebe Dakini-Freunde,

ich bin aus Nepal zurück und nach taglanger Ungewissheit über den Verbleib meines Koffers ist auch dieser eingetroffen. :-) Ich beginne meinen Schockzustand zu überwinden, denn der Verlust dieses unersetzlichen Gepäckstückes mit alle den Briefen an die Paten (vom Sommer und der Weihnachtszeit) hätte für mich eine Katastrophe bedeutet. Mein Immunsystem reagierte prompt auf diesen inneren Alarmzustand und ein heftiger Infekt breitete sich in Windseile aus. Ich war nicht mehr in der Lage, meiner Praxisarbeit nachzugehen, und ich musste entkräftet das Bett hüten. Aber es ist ja gut gegangen und die kostbare Fracht ist vor Ort. Es wird allerdings ein paar Tage brauchen, bis ich mich an das Verschicken machen kann. Ich bin noch etwas geschwächt.

Der Nepaleinsatz war ein großer Erfolg und ich bin voll motiviert und tatkräftig abgereist, weil so viel positive Rückmeldung von Seiten der Patenkinder kam. Große Dankbarkeit und Anerkennung den großzügigen und selbstlosen Sponsoren gegenüber war bei jeder einzelnen Begegnung zu spüren. Gerade in Anbetracht der dramatisch steigenden Preise in Nepal und der insgesamt zunehmend angespannten wirtschaftlichen Situation ist die Unterstützung durch die Paten oft die einzige Chance, nicht in blanke Armut abzurutschen, bzw. menschenwürdig zu überleben. Es ist wirklich Besorgnis erregend, wie sich die Situation von Jahr zu Jahr mehr zuspitzt. Die Wohnungsmieten haben sich um ein Vielfaches erhöht und wer nicht bezahlen kann, muss gnadenlos gehen.

Zum Glück hat unsere Dakini-Repräsentantin Sonam nach langem, mühseligen Suchen mit ihrer vielköpfigen Familie endlich eine passende Bleibe gefunden. Neben ihrem Mann und ihren drei kleinen Mädchen (1,3 und 4 jährig) leben die 16-jährige Nichte und eine 28-jährige weitläufige Verwandte mit im Haus, während eine andere halbwüchsige Nichte nur in Schulferien aus Indien (TCV) anreist. Das neue Domizil bietet den Luxus fließenden Wassers in Küche und Bad, was das Leben sehr erleichtert. Zum Wäschewaschen muss Sonam aber wegen des niedrigen Wasserdrucks ins Erdgeschoss, wo sie im Hof auf dem Boden kauernd die Kleidungsstücke mit der Hand bearbeitet. Bei der großen Familie eine Herausforderung, zumal Sonam noch stillt. Die Energie und der Mut dieser jungen Frau versetzt mich immer wieder in Staunen. Da ihr Mann Norbu noch immer keine Arbeit gefunden hat, hat sie beschlossen, mit einer Freundin zusammen einen lange gehegten Traum zu verwirklichen. Sie haben zu Jahresbeginn eine Kinderkrippe für 1-3 jährige eröffnet, damit die Kleinen versorgt sind und beide Eltern arbeiten gehen können. Dies ist ein Novum in Kathmandu und entspricht den Bedürfnissen der tibetischen Gesellschaft vor Ort, in der die Großfamilie mit dem Rückhalt in der älteren Generation meist wegfällt. Die Großeltern wohnen meist weitab im Dorf oder in Tibet, wenn sie noch am Leben sind. Die jungen tibetischen Eltern sind oft im TCV (Tibetan Children Village) weitab von ihrer Ursprungsfamilie aufgewachsen. Der nüchterne Name der Krippe "Mothers Daycare" läßt nicht erahnen, mit wie viel Liebe und Umsorge die Lokalität in den Räumen einer früheren Teppichfabrik eingerichtet wurde. Die beiden Initiatorinnen mussten allerdings eine Menge Geld aufnehmen (rund 2.000 €), was ein hohes Risiko in sich birgt. Die monatliche Miete beträgt 250 €, was auch erst eingenommen werden muss. Der Tag der Eröffnung verlief sehr fröhlich und unter dem besonderen "Schutz" lieber Gäste aus Deutschland, vier "Dakinis", die gleichsam als gute Feen für das Projekt Pate standen. Alle waren sehr angetan von der wohligen Atmosphäre des freundlichen Ambientes und dem Charme der 7 Kinder, die ihren ersten Tag in der Krippe verbringen durften. Heidi hatte die spontane Idee, projektgebundene Patenschaften zu vermitteln, um das Gelingen des mutigen Unterfangens zu unterstützen. Möge es gelingen! :-)

Gleich anschließend an den Besuch der Krippe, fuhren wir mit Martinas Frauengruppe in das TRC (Tibetan Reception Center), wo einige unserer Paten Mitarbeiter der Einrichtung und deren Kinder unterstützen. Hier hat sich im Laufe der Jahre vieles geändert. Das Gelände ist strengstens abgeschirmt, man muss am Eingangstor eine Kontaktperson angeben, die einen abholt, dann folgte eine strenge Kontrolle, der Eintrag in das Besucherbuch, Handys müssen abgegeben werden, man darf auf keinen Fall fotografieren. Das früher in der Winterzeit überfüllte Gelände ist im Gegensatz zu früher baulich gut ausgestattet, aber menschenleer, es wirkt geradezu gespenstisch. Nur von weitem sind ein paar Menschen zu sehen, die offensichtlich aus Tibet gekommen sind. Man erkennt sie an ihrer Kleidung, ihrer Haartracht und zum Teil an ihren roten Backen. Es ist bereits mein zweiter Besuch im TRC in diesem Jahr, und ich hatte zuvor das Glück den Direktor anzutreffen und mit ihm ausführlich über die Situation seines Hauses zu sprechen. Er erklärte, wie prekär die Lage ist, dass sie von nepalesischer Seite streng überwacht werden und dass kleinste Fehlverhalten strengste Konsequenzen nach sich ziehen könne. Das UNHCR könne dann nichts mehr für sie tun. Die Zahl der Hifesuchenden geht ständig zurück. Die Verhältnisse in Tibet sind ausgesprochen angespannt. Wir kommen im Laufe unseres Gesprächs auf ein grundlegendes Thema, auf die Bedeutung von Bildung zu sprechen. Der Direktor schildert uns das Dilemma vieler Landsleute (er selbst eingeschlossen) aus dem Mittelstand, die kaum noch erschwingliche Miete für die Wohnung oder das Schulgeld für eine angemessene Ausbildung der Kinder aufzubringen. Die Qualität der Schulen ist sehr unterschiedlich und für ein Studium bzw. eine qualifizierte Arbeit ist der Schulabschluss an einer Privatschule Voraussetzung. Da es kein Rentensystem gibt, ist die gute Ausbildung der Kinder zugleich eine Absicherung für das Alter. Über diese persönlichen Überlegungen hinaus ist für eine echte Demokratie Bildung Voraussetzung. Wer nicht lesen und schreiben kann, ist zu einer wirklichen Entscheidung nicht in der Lage, da die entsprechenden Informationen fehlen. Es ist daher wichtig, auch älteren Menschen noch die Möglichkeit zu geben, grundlegende Kenntnisse wie lesen und schreiben und die Kenntnis der Grundrechnungsarten zu erwerben. Ein gutes Beispiel für ein solches Angebot ist die Schule von Ani Jangsem, ein Projekt, das ich bereits im letzten Jahr vorgestellt habe und das wir weiterhin durch freie Spenden unterstützen. Die Rückmeldung einer Kursteilnehmerin hat mich sehr berührt. Sie war so stolz und dankbar, dass sie statt so zu sagen blind ihren Fingerabdruck auf Ämtern hinterlassen zu müssen, ohne zu wissen, worum es eigentlich ging, nun selbst lesen und ggf. unterschreiben konnte. Diese Erfahrung gab ihr ein Gefühl von Würde, das sie bislang nicht gekannt hatte.

Ich gehe nun zeitlich zurück zu unserem bereits traditionellen Kinderfest am letzten Tag des Jahres, das auch heuer wieder sehr großzügig von Bettina gesponsert wurde. Es war ein richtiges Highlight für Kinder und Begleiter! Wir fuhren mit einem Bus voll Kindern und unserem Nunnery-Jeep zum Zoo mit integriertem Spielplatz. Der Tiger begrüßte uns mit einem ehrfurcht gebietenden Brüllen und die Nilpferde beeindruckten durch ihre gewaltige Erscheinung. Den Affen beim Spielen zuzusehen war ein großes Vergnügen und begeisterte Groß und Klein. Die Bootstour auf dem kleinen Teich machte viel Spaß und das Tollen auf den Schaukeln und Rutschen rief hellen Jubel hervor. Auch zu essen und trinken gab es reichlich. Die Kinderaugen strahlten und wir alle hatten eine wunderbar unbeschwerte Zeit. Ein herzliches Dankeschön an Bettina!

Am ersten Tag des neuen Jahres fand wie üblich die Tara-Puja für die "Dakinifamilie", also alle Paten, Patenkinder und Unterstützer des Dakini-Netzwerks im Nunnery statt. Die Kraft der Taras war deutlich zu spüren. Die leuchtenden Augen unserer Gäste aus Deutschland (Martina mit Frauen Gruppe bestehend aus Daniela, Heidi und Ulrike), bereiteten mir viel Freude und ließen mich die Belastungen vergessen, die mit dem Dakini-Einsatz immer verbunden sind. Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Aufgabe vor über 10 Jahren gleichsam zugefallen ist.

Das Verteilen der Gelder zusammen mit Sonam bereitete viel Freude und wir machten viele nette Fotos von den Patenkindern. Sie finden sie in Kürze auf unserer Website und können dann Ihre Schützlinge identifizieren. Natürlich wurden wir auch mit neuen Problemen und Schicksalsschlägen konfrontiert, die das Herz berühren. Der 18-jährige Tenzin Nyima z.B. hat seinen Vater vor 49 Tagen überraschend verloren. Er war aus Dharamsala angereist, um nach tibetischer Tradition bei den abschließenden Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen. Der junge Mann nimmt seit 8 Monaten an einer Lehrerausbildung für traditionelle tibetische Musik und Tanz an der bekannten TIPA (Tibetan Institute for Performing Art) teil. Seine Mutter ist nicht nur durch den plötzlichen Tod ihres Mannes schwer belastet, sie weiß nicht, woher sie das Geld für die Reisekosten ihres Sohnes, für sein Taschengeld und alles übrige aufbringen soll. Wir suchen deshalb eine Patin für den jungen Mann bzw. seine Mutter, die weder eine Ausbildung, noch Arbeit hat. Ich kann Ihnen aber auch von einer sehr erfreulichen Begegnung berichten. Namdroel, die an einer Organ-Tbc schwer erkrankt und jahrelang dem Tode nahe war, kam in Begleitung ihrer Mutter mit einem strahlenden Lächeln an. Sie ist eine attraktive junge Frau geworden und wird in den nächsten Wochen einen Computerkurs beginnen. Zwei Stunden Unterricht am Tag wird sie schaffen. Die Kräfte sind noch nicht voll wieder da, aber die Genesung schreitet fort. Für mindestens ein Jahr muss sie noch starke und sehr teure Medikamente einnehmen, aber ihre Lebenskraft ist offensichtlich zurückgekehrt. Ein herzliches Dankeschön an alle, die Namdroel auf ihrem schweren Weg begleitet und unterstützt haben! Sie haben ihr Leben gerettet, stammelt die Mutter unter Tränen.

Am späten Nachmittag besuchen wir Sonams Onkel Tsering Dorjee, 65 Jahre alt, der seit etwa fünf Jahren an einer fortschreitenden Makula-Degeneration, Diabetes und Schwindel leidet. Der etwa 20-minütige Weg von seiner Behausung zum Stupa von Boudhanath, um ihn rituell zu umrunden, ist für ihn unendlich beschwerlich, weil er so unsicher zuwege ist. Wegen dem stark schwankenden Blutzuckerspiegel sollte er sich aber viel bewegen! Dazu kommt eine schwere seelische Belastung. Vor fünf Jahren setzte sich sein Geschäftspartner (sein Neffe) mit dem Geld ihres gemeinsamen kleinen Geschäfts nach Indien ab und ist nicht mehr zu fassen. Dadurch endete die Familie von einem geordneten Mittelstandleben in bitterer Armut. Das Ehepaar lebt mit dem halbwüchsigen Sohn in einem einzigen Raum in einem herunter gekommenen Mehrfamilienhaus. Die Ehefrau strickt im Winter Schals und Socken, im Sommer ist sie für Monate im Himalaya unterwegs, um den berühmten tibetischen Pilz zu sammeln. Die extreme Höhe und das unwirtliche Gelände machen der Fünfzigjährigen schwer zu schaffen. Sie wird dieser Herausforderung nicht mehr lange gewachsen sein. Von daher erscheint es uns dringlich, eine Patin für das Paar zu finden.

Ram, der Fahrer des Kopan-Klosters, und Vater eines unserer Patenkinder, zeigt mir am nächsten Tag die "Valley Public Higher Secondary School", die er als ideale Schule für seine beiden Töchter ausfindig gemacht hat. Diese Schule bietet eine ausgezeichnete zeitgemäße Ausbildung zu bezahlbaren Preisen an. Man muss allerdings in Kauf nehmen, dass höhere Klassen kostspieliger werden. Grundsätzlich muss auch bedacht werden, dass zu dem monatlichen Schulgeld in den Privatschulen viele Einzelposten hinzukommen, die letztendlich die tatsächlichen Kosten mindestens verdoppeln. Die Schüler dieser Schule haben allerdings nach ihrem Abschluss reale Aussichten auf einen Arbeits- bzw. Studienplatz. Die Schule wird von externen Beratern (aus Amerika, Großbritannien etc.) begleitet und es besteht die Möglichkeit für junge Menschen aus dem Ausland, dort ehrenamtlich tätig zu werden. Es gibt sogar Zimmer für diesen Zweck auf dem Schulgelände. Informieren Sie sich gerne selbst unter www.vallypublic.edu.np.

Anschließend an den Schulbesuch fährt mich Ram zum kleinen Anwesen des Gärtners Suresh im benachbarten Dorf. Das Haus ist in keinem guten Zustand, aber man sieht, dass er sehr bemüht ist, das Beste aus den begrenzten Mitteln zu machen, die ihm zur Verfügung stehen. Von der Decke rieselt der Putz, wenn das Obergeschoss begangen wird. Sein ganzer Stolz sind seine Tiere, ein paar Ziegen und Hühner vor dem Haus. Der Sohn Ramesh besucht eine recht einfache Schule, die entsprechend günstig ist. Mal sehen, wie sein Zeugnis aussieht. Für die kleine Landwirtschaft braucht er wohl keinen qualifizierten Abschluss, aber davon wird er keine Familie ernähren können. Vielleicht können Grund und Boden besser genützt werden, wenn ein wenig mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Der bereits vielen bekannten Pala Pendo treffe ich immer wieder bei Sonam und am Stupa. Er war über Monate immobilisiert, nachdem ihn ein Motorradfahrer auf der Hauptstraße angefahren und durch die Luft gewirbelt hatte. Wegen einem Serienrippenbruch und schweren Prellungen am ganzen Körper musste er einige Wochen im orthopädischen Krankenhaus verbringen und er ist auch jetzt noch in seinem Bewegungsablauf sichtlich beeinträchtigt. Es ist geradezu ein Wunder, dass er überlebt hat! Auch unser Schneider Ulla hatte gesundheitlich schwere Zeiten hinter sich. Er wird nicht mehr länger arbeiten können und Ani Jangsem hat geplant, ihm ein Zimmer im Nunnery zur Verfügung zu stellen, wo er bei Bedarf auch gepflegt werden kann. In seiner feinen, zurückhaltenden Art drückt Ulla immer wieder seine tiefe Dankbarkeit seiner Patin gegenüber aus, die ihm ermöglicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und die erforderlichen Medikamente zu erstehen.

Zum Abschluss meines Aufenthalts gab es noch ein Highlight. Sabine und Ulrich aus München landeten am Tag meines geplanten Abflugs rechtzeitig, sodass wir noch gemeinsam mit unserer alten Schamanen-Freundin Ama Bambo im Nunnery ein üppiges Mittagessen einnehmen konnten. Obschon Ama unter Nierenschwäche, chronischen Knieschmerzen und Diabetes leidet, sodass sie keine Patienten mehr behandeln kann, hatten wir viel Spaß mit einander und freuten uns, nach Jahren wieder beisammen sein zu können.

Zum Abschluss habe ich noch eine Mitteilung am alle Dakini-Paten, die Ordinierte unterstützen. Viele Nonnen und Mönche waren bzw. sind noch in Südindien, wo der Dalai Lama religiöse Unterweisungen gab. Das Geld und die Briefe werden deshalb an die Betroffenen erst Mitte Januar verteilt, wenn alle wieder zurück im Kloster sind. Ani Jangsem hat mir versprochen, mir die Post dann umgehend zuzuschicken, damit ich sie weiterleiten kann. Sie bedauert zu tiefst, dass es im Sommer wegen ihrer Erkrankung zu der bekannten Panne kam. Sie erhalten jetzt zumeist zwei Briefe, da ich das liegen gebliebene Postpaket mitgebracht habe. Unser Schatzmeister und ich möchten ebenfalls unser Bedauern ausdrücken, wenn wir nicht immer Ihre Erwartungen erfüllen konnten und bitten Sie um Nachsicht. Wir bemühen uns nach Kräften und geben unser Bestes, manchmal ist es aber leider nicht genug. Es kommt immer wieder vor, dass die Technik versagt, der Computer die Verteilerliste beschneidet oder das Programm zusammen bricht etc. Wir bitten um Verständnis.

Eine Bitte, was die Überweisung der Patenschaftsbeträge betrifft: Es wäre eine große Erleichterung für uns, wenn Sie entweder monatlich oder zweimal im Jahr überweisen würden. Dann erhalten die Patenkinder regelmäßig eine vergleichbare Summe. Wenn wir nur einmal im Jahr auszahlen können, weil der Betrag jährlich gezahlt wird, schafft das leicht Verwirrung. Ende Juni und Ende November wäre ggf. ein geeigneter Zeitpunkt.

Ich möchte Ihnen allen nochmals im Namen des Vorstands des Dakini-Netzwerks und der Patenkinder ganz herzlich für Ihre Unterstützung danken und Ihnen ein segensreiches und erfolgreiches neues Jahr wünschen. Mögen Ihre Wünsche in Erfüllung gehen und mögen Sie Gesundheit und Wohlergehen genießen können. Mein persönlicher Dank an unseren Schatzmeister Martin, der im Hintergrund immer mit vielen Unwegsamkeiten zu kämpfen hat und an unseren Webmaster Jürgen, die unsere Website so liebevoll gestaltet und updatet!

Mit herzlichen Grüßen aus Hamburg

Ihre

Eva Anderson

P.S.: Die Spendenbescheinigungen für 2013 werden voraussichtlich im Februar / März ausgestellt

Reisebericht Indien 2013

Reisebericht Indien 2013

Ich kehrte auch dieses Jahr wieder voll Freude und Dankbarkeit von meiner Reise nach Dharamsala zurück. Trotz erheblicher körperlicher Anstrengung und einem eng gestrickten Tagesplan empfand ich die sechs Tag Indien als erfrischend und bereichernd. Mein Reisebegleiter und "Bodyguard" Walter (aus der Sangha von Dieter Kratzer) unterstützte mich in jeder Hinsicht. Als professioneller Gärtner machte er mich mit den verschiedenen Pflanzen und Blüten vertraut, die den Straßenrand auf dem langen Weg von Delhi hinauf in den Himalaya säumen. Im Flachland überwiegen Eukalyptusbäume, in höher gelegenen Regionen finden sich v.a. Kiefern. Cana (Gladiolen), Cassia (gelb), Lantanen, Hibiscus, Bourganvilla, Oleander und Passionsblumen erfreuen das Auge und die bunten Saris der indischen Frauen wetteifern mit dieser Farbenpracht. In Delhi wurden wir von unserem tibetischen Freund Thupten Jampa am Flughafen abgeholt. Die Autobahnen in den Norden des Landes wurden in den letzten Jahren hervorragend ausgebaut, trotzdem finden sich gelegentlich aber noch Kühe und Radfahrer auf der Fahrbahn. Die Straße hinauf ins Bergland war in diesem Jahr viel schlechter als bisher. Viele Strecken mit Bauarbeiten behinderten unser Weiterkommen und wir wurden tüchtig durchgebeutelt. In Dharamsala wurden wir von Thuptens Frau Migmar herzlich begrüßt und mit einem köstlichen Abendessen gestärkt. Das Paar repräsentiert das Dakini-Netzwerk vor Ort, sie helfen beim Einbestellen der Patenkinder und beim Verteilen der Gelder.

Am ersten Tag unseres Aufenthalts mussten wir gleich wieder auf die Straße und eine dreistündige Autofahrt nach Chauntra in Kauf nehmen, um die Rentner des Men-Tsee-Khang (tibetisches medizinisches Institut) in ihrem abgelegenen Domizil zu besuchen. Die Fahrt versüßten wir uns mit einem Kaffeestop unterwegs in einem Dorf, das eine amerikanische Cafeshop-Kette "beglückt" hat. Unsere Begleiterinnen Migmar und Dolma Tsering, die Sponsorshipsecretary des MTK, versuchten zum erstenmal in ihrem Leben Schokoladekuchen mit Vanilleeis und waren begeistert. Für Dolma Tsering war es ein Vorgeschmack auf ihre Europareise im Oktober. Sie wird zusammen mit einem tibetischen Arzt und einem Astrologen (die Astrologie stellt eine wichtige Ergänzung in der tibetischen Medizin dar) Deutschland (München und Freiburg), Polen, die Tschechei und Frankreich bereisen, wo jeweils Konsultationen angeboten werden. Nun aber zurück zu unserem Besuch im Seniorenheim in Chauntra. 15 Senioren leben dort auf einem schönen, naturbelassenen Gelände gleich neben dem wunderschönen Sakyakloster von Dzongkar Rinpoche. Jeder der Hausbewohner hat sein eigenes schlichtes kleines Zimmer. Gekocht wird in einer bescheidenen kleinen Küche. In dem Gebäude befindet sich auch eine kleine medizinische Klinik, die von einer tibetischen Ärztin geleitet wird. Es gibt auch einen gesonderten Raum für die vielen Pillen, die im Rahmen der Behandlung verordnet werden. Die Bewohner der Umgebung werden kostenlos betreut und es kommen täglich viele Patienten zur Konsultation. Da wir an einem Feiertag anreisten, mussten wir uns mit der Erzählung zufrieden geben und konnten leider keine Fotos davon machen. Die Lage des Seniorenheimes neben dem Kloster bietet den Hausbewohnern die Möglichkeit, ausgiebig "Khora" zu gehen, d.h. den Tempel nebenan Gebete murmelnd zu umrunden, an religiösen Zeremonien teilzunehmen und dadurch ihren Körper und Geist beweglich zu erhalten. Leider fehlt noch ein Gemeinschaftsraum in dem Gebäudekomplex. Die Pläne dafür liegen schon vor, es fehlen aber die nötigen 70.000 € für die Durchführung des Projekts. Zusammen beten, feiern und plaudern bedeutet für die Tibeter unbeschreiblich viel, es stärkt sie in ihrer Identität und lässt sie den Verlust ihrer Heimat besser bewältigen. Wenn Sie sich an der Finanzierung dieses Projekts beteiligen möchten, können Sie das gerne über das Dakini-Netzwerk tun. Als wir nach unserem Ausflug nach Dharamsala zurück kamen, waren wir erschöpft, aber auch zufrieden. Die Senioren waren über unseren Besuch glücklich und fühlten sich gewürdigt. Nach dem Abendessen mussten wir das Geld aufteilen und es kamen bereits die ersten Patenkinder, um es sich abzuholen.

Am nächsten Tag begannen die Belehrungen des Dalai Lama im Tsulakhang, dem Tempel des Namgyal Klosters. Tausende Tibeter und zahlreiche Besucher aus dem Westen und aus dem ostasiatischen Raum strömten herbei. Der Dalai Lama betonte, wie wichtig es sei, nicht nur blind einer religiösen Tradition zu folgen, sondern den Inhalt, das Wesentliche der eigenen Religion zu studieren und zu erfassen, um die Erkenntnisse im Alltag umzusetzen und engagiert zu praktizieren. Es ginge darum, die Verantwortung für sein Leben und für unseren Planeten zu übernehmen. Dies könne man allerdings auch aufgrund einer weltlichen Ethik. Auch so könne man sinnvoll und glücklich leben und für das Wohl anderer mit Weisheit und Mitgefühl sorgen. Am Nachmittag spazierten wir inspiriert und frohen Herzens die abschüssige Straße ins MTK hinunter, wo wir zuerst das Museum der tibetischen Medizin besuchten und dann vom Direktor des Instituts empfangen wurden. Der untersetzte, fröhliche und tatkräftige Mann in mittleren Jahren wurde vom Dali Lama gebeten, aus dem Exil in USA nach Dharamsala zurück zu kehren, um die Leitung des MTK zu übernehmen, das er bereits in der Neunzigerjahren für einige Zeit erfolgreich geleitet hatte. Wir wurden mit großer Freundlichkeit empfangen und erhielten reichlich Anerkennung für unser Dakini Engagement für das Retired Staff Programm. Es war zu spüren, wie sehr dem Direktor das Wohlergehen seiner ehemaligen Mitarbeiter am Herzen liegt, wie sehr er gerade um die Senioren besorgt ist, die für einen niedrigen Lohn am Aufbau des MTK beteiligt waren und nach ihrem Ausscheiden aus dem Dienst wegen der niedrigen Rente nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Dolma Tsering lud uns danach in ihre Wohnung auf dem Gelände des MTK zum Tee ein, wo wir auch ihren Mann nach Dienstschluss trafen. Er gehört zu den alt eingesessenen Astrologen des Instituts. Ein wenig später kam auch der Sohn der beiden hinzu. Er hat gerade sein Medizinstudium am MTK abgeschlossen und macht sein praktisches Jahr vor Ort. Er kam von einem Einführungsseminar in tibetische Astrologie für junge Ärzte. Es sei für die Herstellung der Arzneimittel, die Verordnung von Medikamenten und Behandlungsmethoden wie Moxabustion und Akupunktur etc. wichtig, die Konstellation der Gestirne mit einzubeziehen, um einen optimalen Behandlungserfolg zu erzielen. Dolma beklagte, wie schwierig für sie als Verantwortliche das Finden von Sponsoren für Astrologiestudenten sei. Nach dem Auszahlen von Geldern an verschiedene Patenkinder und einem leckeren Abendessen bei unseren Gasteltern fielen wir todmüde in unsere Betten.

In den Belehrungen des Dalai Lama am nächsten Tag wurden wir zu einer aktiven Mitgestaltung der Zukunft für die nächsten Generationen und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und mit der Umwelt aufgerufen. Liebe und Mitgefühl müsse sich mit Weisheit verbinden und zu entsprechenden Einstellungen und Handlungen führen. Am Nachmittag machten wir uns bei Sonnenschein auf, um das Meditatonszentrum Tushita hoch oben auf dem Berg zu besuchen. Es ist eines der ersten Zentren, die von Lama Zopa Rinpoche und Lama Yeshe (die Gründer des Klosters Kopan in Kathmandu) Anfang der Siebzigerjahre gegründet wurden. Wir sollten für unseren spirituellen Lehrer Dieter Kratzer in Fichtheim bei Landau Prospekte für sein Zentrum "Taramandala" abgeben. Im oberen Drittel unseres Aufstiegs ereilte uns ein kräftiger Regen, der erst auf unserem Rückweg allmählich wieder abklang. So erlebten wir Tushita verhangen in dichten Wolken, etwas düster und geheimnisvoll in seiner Abgelegenheit. Zurück im weltlichen Treiben genossen wir dann das Einkaufen für liebe Freunde zuhause. Abends kam Tenzin Yangzom (die viele aus früheren Berichten kennen) mit Mann, Kind und Schwester zu dem besonderen Anlass unseres Besuches in traditioneller Amdotracht in unser Hotel, um uns strahlend zu berichten, wie glücklich sie sei, an einem Trainingsprogamm der tibetischen Frauenorganisation teilnehmen zu können. Sie lerne am Vormittag nähen, am Nachmittag habe sie Englisch und PC als Unterrichtsfächer. Dorjee, ihr Mann arbeitet nach wie vor als Koch im Upper TCV. Voll Stolz kredenzte er uns selbst gebackene Strizel, die hier wohl als besondere Delikatesse gelten. Die Schwester Sonam leidet sichtlich unter diversen körperlichen Beschwerden. Sie konnte sich kaum ein Lächeln abringen, brachte jedoch mit großer Innigkeit ihre Dankbarkeit zum Ausdruck, dass sie und ihr Sohn von ihrer Patin so großzügig unterstützt werden.

Der nächste Tag war bereits der letzte Tag mit dem Dalai Lama. Wir erhielten eine Einweihung in die Langlebensgottheiten und wurden frühzeitig entlassen. In meinem Eifer, Walter den Wasserfall in Richtung Bagshu zu zeigen, brachen wir trotz drohender Monsumwolken unmittelbar auf. Bereits auf halbem Wege donnerte es kräftig und kurz darauf bretterte der Monsunregen gnadenlos auf uns herunter. Innerhalb kürzester Zeit fanden wir uns trotz Schirmen gänzlich durchnässt unter hohen Kiefern, die nicht den erhofften Schutz boten. Schließlich gaben wir auf, denn der Regen wollte nicht nachlassen. Wir machten uns auf den Rückweg und versuchten Wind und Nässe zu ignorieren. Plötzlich schreckte ich durch einen heftigen Schlag zu meiner Rechten auf. War es eine Bombe, ein Attentat? Walter sah einen riesigen Stein den Abhang herunter donnern. Zum Glück blieb er am Wegrand liegen. Im Hotel angekommen war es uns ein Bedürfnis, sofort die tropfnasse Kleidung abzulegen und die Füße in ein heißes Fußbad stecken. Das war einfach himmlisch! Nach unserem Dinner bei Tupten und Mingmar kamen die beiden Manali Nonnen mit ihrem alten Vater, einem Mönch (er hatte nach dem frühen Tod seiner Frau die Ordination genommen), mit einem großen Sack der wohlbekannten Äpfel aus ihrer Region. Es war eine helle Freude, die strahlenden Gesichter der beiden jungen Frauen zu sehen. Der Vater blieb ernst, aber eine warme Herzlichkeit und Dankbarkeit lagen in seinen Augen. Sie waren sechs Stunden mit dem Bus unterwegs, um hierher nach Dharamsala zu kommen. Am nächsten Tag wollten sie wieder zurück in ihr abgelegenes Kloster im Himalaya.

Am nächsten Tag hieß es für uns wieder in Richtung Delhi aufbrechen. Am Morgen vor unserer Abreise umrundeten wir noch den Tempel des Dalai Lama, um unsere Reise zu einem segensreichen Abschluss zu bringen. Etwa eine dreiviertel Stunde liefen wir auf dem idyllischen Weg durch den Wald mit Blick auf die hohen kahlen Gebirgsgipfel bergauf und bergab, setzten zahlreiche Gebetsmühlen in Bewegung und sprachen Gebete für die Sponsoren des Dakini Netzwerks und alle, die zum Gelingen unseres Unterfangens beitragen. Die Dynamik der Drehbewegung übertrug sich auf unsere Befindlichkeit und wir brachen voll Energie und zu unserer zwölfstündigen Autofahrt auf. Trotz ausgedehnter Straßenbauten und einem rasanten Gegenverkehr ging alles gut und ich machte voll Dankbarkeit ein Foto von Walter vor der großen Buddhastatue im Wartebereich des schönen neuen Flughafens von Delhi. Wir fühlten uns auf unserer ganzen Reise beschützt und geleitet von guten Kräften, von Buddha Amitabha.

Nepal- und Indienreise Weihnachten 2012

Nepal- und Indienreise Weihnachten 2012

Die langjährigen Dakini-Paten werden viele vertraute Gesichter finden. Hoffentlich erfreuen Sie sich daran so wie ich.

Als erstes möchte ich allerdings ein ungewöhnliches Bild erwähnen, nämlich Lama Zopa Rinpoche bei den Belehrungen leider mit Rotstich, da die Lichtverhältnisse
unter dem Baldachin sehr ungünstig waren.

Auch die eindrucksvolle Statue von Guru Rinpoche( Padmasambhava), die zur Zeit im neuen Tempel des Nunnery steht, werden Sie so schnell nicht wieder zu Gesicht bekommen. Sie soll mit dem Hubschrauber nach Solokhumbu, im Himalaya transportiert werden. Sponsoren vor allem aus dem asiatischen Raum haben dazu beigetragen, dass dieses gewaltige Werk fertiggestellt werden konnte.

Sie sehen auch Bilder von den umfangreichen Bautätigkeiten auf dem Gelände des Nunnery. Ein paar Bilder zeigen die bereits erwähnte kleine Schule für Mittellose. Durch eine kleine Spende meiner Schwiegermutter konnten wir Anfang des Jahres Süßigkeiten unter den kleinen und z.T. auch großen Nonnen verteilen, deshalb sehen Sie die strahlenden Kinder mit Bonbons in den Händen. Ama Bambo lacht Ihnen mit ihren gütigen Augen zu und der kleine Tenzin Lama aus Tibet, Neffe der Nonne Lobsang Paldon, spielt vergnügt Ball mit seinem Lehrer.

Bilder von der Indienreise

Bericht von der Indienreise 2012

Bei meiner Reise nach Dharamsala gab es in diesem Jahr drei Schwerpunkte:

Zum einen wollte ich unsere Dakini-Patenkinder sehen und das Geld der Sponsoren an sie verteilen, zum anderen an den dreitägigen Belehrungen S.H. des Dalai Lama teilnehmen und mit Thupten Jampa, dem Bruder von Dagri Rinpoche, den Text seiner Biographie besprechen, um die Veröffentlichung vorzubereiten.

Bei unseren Patenkindern gab es einen tragischen Verlust: Unser Einsiedlermönch Lobsang Tharchen verstarb vor 6 Monaten nach einem fulminant verlaufenden Krankheitsprozess. Eine ebenfalls bedrückende Neuigkeit ist die Krebserkrankung von Pala Sangpos Frau, die in ihrer Not verschiedene Ärzte konsultierte und ohne Erfolg enorme Summen für diverse Untersuchungen und Behandlungen zahlen musste. Nun aber zu den guten Neuigkeiten: Der Mann von Tenzin Yangzom hat eine Stelle als Koch im TCV (Tibetan Children`s Village). UndLhundrup Dorjee wird bis Ende dieses Jahres sein Studium zum Doktor der tibetischen Medizin abschließen. Dann geht es als Assistent in das praktische Jahr in eine der Außenstellen des Men-Tsee-Khang (Klinik für Tibetische Medizin).

Bei einem gemeinsamen Abendessen mit der Sponsorship Secretary des Men-Tsee-Khang, Dolma Tsering, wurde das Dakini-Netzwerk gebeten, Paten für die Studenten der Astrologie an dem Institut zu suchen ( Kosten: € 50,00 im Monat für 6 Jahre). Die Astrologie gehört zu den traditionellen Zweigen der Heilkunst in der tibetischen Medizin. Eingriffe, Behandlungen, aber auch wichtige Lebensentscheidungen und Rituale (zu Geburt, Tod, Heirat) werden gemäß dem Rat der Astrologen anberaumt. Ich musste einräumen, dass sich die Begeisterung für die tibetische Astrologie in Deutschland in Grenzen halten wird. Dafür kann ich mir aber gut vorstellen, dass wir Paten für die Altersversorgung ehemaliger Mitarbeiter des Men-Tsee-Khang finden können. Für nur € 17,00 im Monat kann man einem alten, hilfs- und pflegebedürftigen Menschen das Leben erheblich erleichtern. Dolma Tsering hat seit 40 Jahren Erfahrung in der Patenschaftsvermittlung und - Betreuung und sorgt für einen geordneten Informationsfluss. Wenn Sie Interesse haben, an dem Projekt teilzunehmen, melden Sie sich bitte bei mir.

Die Belehrungen S.H. des Dalai Lama brachten den Zuhörern den unschätzbaren Wert von Geduld und Mitgefühl mit sich selbst und den anderen nahe. Darüber hinaus wurde deutlich gemacht, wie sehr uns Gefühle von Wut und Ärger selbst schaden. So klar und einsichtig diese Argumentation klingt, so schwer ist sie allerdings im Alltag umzusetzen, v.a. wenn wir Schwierigkeiten begegnen.

Als eine wichtige Aufgabe hatte ich die Übersetzung der Biographie von Thupten Jampa, dem Bruder von Dagri Rinpoche im Gepäck. Er wuchs in der ersten Zeit der Besetzung Tibets durch China auf, und er schildert sein Leben unter den widrigen Umständen des Regimes, seine Flucht und sein Leben in Freiheit in Indien. Freunde, die den Text gelesen haben finden ihn interessant und informativ. Ich musste aber noch einige Details und tibetische Bezeichnungen abklären, bevor wir an die Publikation gehen können. Ich hoffe, die bewegte Lebensgeschichte wird auch Sie inspirieren.

Ich habe Post aus Indien mitgebracht, bitte aber um Geduld, weil das Verschicken immer viel Zeit in Anspruch nimmt und ich mit meiner Praxis mehr als ausgelastet bin. Auch die Briefe aus Nepal stehen noch zur Weiterleitung an.

Wir möchten allen Paten von Herzen danken, dass Sie uns Ihr Vertrauen schenken und durch uns viele bedürftige Menschen unterstützen, die ohne Ihre Hilfe in großen Nöten wären bzw. keine Ausbildung erhalten könnten.

Mit herzlichen Grüßen aus dem milden Altweibersommer in unserem wunderschönen Hamburg

Ihre Eva Anderson

Reisebericht Nepal Winter 2008/2009

Mein letzter Aufenthalt in Nepal über Weihnachten und Neujahr 2008 / 2009 bot wieder einige Herausforderungen. Er stand vor allem im Zeichen der Belehrungen und Einweihungen von Lama Zopa Rinpoche, dem Begründer des Klosters Kopan. –Lama Zopa Rinpoche ist das Oberhaupt der weltweit verbreiteten Organisation FPMT (Foundation for the Preservation of Mahayana Buddhism) und ist praktisch ständig unterwegs. Nun hatten wir besonderes Glück und er war eine gute Woche in seinem Stammkloster anwesend. Es war eine außergewöhnliche Gelegenheit, diesem einzigartigen Lehrer, Heiler und Seher aus nächster Nähe zu begegnen! Wie viele außergewöhnliche Menschen pflegt Rinpoche – der nie schläft - einen sehr eigenwilligen Umgang mit der Zeit und man wusste nie, ob und wann er zu den Belehrungen erscheinen würde. Dafür zogen sich Einweihungen bis tief in die Nacht hinein und am nächsten Morgen hieß es wieder antreten, um sich nichts entgehen zu lassen. Das wirkte sich natürlich auf die Betreuungsarbeit unserer Patenkinder aus, denn das ganze Kloster, einschließlich unserer Oberin Ani Jangsem, war ständig auf Abruf und man konnte langfristig keine Termine planen.

Hinzu kam die Behinderung unserer Arbeit durch die Schulferien. Einige Kinder waren bereits für ein paar Wochen zu ihren Eltern in die weit entlegenen Heimatdörfer zurückgekehrt und wir konnten sie nicht persönlich erreichen. Wir mussten das Geld bei den Bezugspersonen in Kathmandu hinterlegen. Ich bitte deshalb um Nachsicht, wenn der ein- oder andere Dankesbrief auf der Strecke geblieben ist oder ein Foto fehlt!

Erschwerend bei unserer Arbeit wirkte sich auch die massive Beschränkung der Stromversorgung in Kathmandu aus. Die Menschen müssen 10 Stunden am Tag ohne Elektrizität auskommen und man vermutet, dass es künftig sogar 12 Stunden sein werden. Wenn es kein Licht gibt, funktionieren aber auch die Handy-verbindungen nicht und das Laden der Akkus wird zum Problem, wenn man sich nicht zur gegebenen Zeit in der Nähe einer Steckdose befindet. Viele Verabredungen platzen, weil die kurzfristige Verständigung nicht möglich ist. Es ist eine groteske Situation, dass es inzwischen in Nepal jede Menge Mobiltelefone, PCs, ja selbst Staubsauger und Waschmaschinen gibt, diese Geräte jedoch nur sehr begrenzt in Betrieb genommen werden können. Glücklich, wer einen starken Generator besitzt! Doch wenn es sich um ein etwas lädiertes Secondhand Exemplar handelt wie in Nunnery, sitzt man so manchen Abend im Dunklen und kann auch den Wasserkocher nicht benützen, den man für die ersehnte heiße Abenddusche benötigt. Zum Glück sind die mollig waren Bettdecken vom Strom unabhängig! – Da sich der berühmte traditionelle „Novemberkurs“, eine vierwöchige Einführung in den Buddhismus, dieses Mal weit in den Dezember zog, wurde ich im Nunnery untergebracht, denn die Gästezimmer im „oberen Kloster“ waren hoffnungslos ausgebucht. Dafür kümmerte sich Ani Kundrol, die Küchenchefin des Nunnery, rührend um unser leibliches Wohl. - Wir waren zu viert, meine Freundin und Kollegin Elfriede, Sabine und Ullrich waren mit von der Partie.

Elfriede wollte eigentlich nach Lukla im Solokhumbu-Gebiet fliegen, um dort die Nonnen des Khariklosters in Thame zu besuchen. Sie war bereit, sich Nachttemperaturen von -20°C (ohne Heizung) auszusetzen, doch das Schicksal bewahrte sie vor diesen Strapazen. Nachdem sie 2 lange Vormittage auf dem Flughafen verbracht hatte, gab sie auf. Morgens gab es in Kathmandu Nebel, so dass das Flugzeug nicht starten konnte und als es aufklarte fielen in Lukla die Wolken ein und vereitelten dadurch eine sichere Landung.

Wegen der ungünstigen Flugbedingungen kam Geshe Dagyal eun paar Tage später von der Khari Gompa zurück,als ursprünglich geplant war. Er hatte drei Monate die Nonnen des Khari Nunnery in buddhistischer Philosophie unterrichtet. Er brachte Fotos mit, die zeigen, wie hart diese Frauen für den Bau ihres Klosters gearbeitet haben: Steine schleppen, Zement rühren und Holz bearbeiten. In der Freizeit lernen sie mit Feuereifer. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, führen sie zudem Rituale für die lokale Bevölkerung durch. Denn das Kloster kann nur noch bis Februar die Hauptmahlzeiten stellen, weiter reicht das Budget nicht mehr. – Es sei denn, wir finden Spender. – Der Bau des Klosters ist erfreulich weit fortgeschritten. Die Außendekoration, von Khari Rinpoche selbst entworfen, strahlt zum Teil schon in leuchtenden Farben und bald werden die obligaten „Gunrizas“ den Giebel zieren, die dank großzügiger Spenden aus unserem Dakinikreis in Auftrag gegeben werden konnten.

Der Klosterneubau im Kopan Nunnery macht weiter Fortschritte, auch wenn sie nicht mehr so ins Auge fallen. Es geht jetzt um die Innenraumausgestaltung. Khenrinpoche Lama Lhundrup ist bereits beim nächsten Projekt: Es werden 100 neue Schlafräume für die Nonnen, eine neue Küche und ein ausreichend großer Speisesaal benötigt. Pro Doppelzimmer muss man insgesamt mit einem finanziellen Aufwand von € 3.000,- rechnen. - Wer also für die Behausung von ein oder zwei Nonnen aufkommen möchte, kann sich da gerne einklinken.

Die Kopan-Nonnen werden diesen Herbst wieder auf eine Tournee durch Deutschland und Holland gehen, um Geld für dieses Projekt zu sammeln. Den Tourneeplan werde ich im Laufe des Frühjahrs bekannt geben.
Für alle, die sich durch ihren Beitrag an der Winterdebatte der Kopan Nonnen beteiligt haben, gibt es eine erfreuliche Nachricht: Unsere Nonnen haben den dritten Platz belegt, obschon sie ihr Studium erst Jahre später als manches Nunnery in Indien beginnen konnten. Freude und Stolz standen den jungen Frauen ins Gesicht geschrieben, wenn sie von ihrem Erfolg berichteten.

Und hier noch eine erfreuliche Neuigkeit: Die Nonnen aus Tibet sind zurück gekehrt! Es war gefährlich und mit großen Strapazen verbunden und Ani Thubten Tenzin konnte ihre Schwester nicht wie geplant mitbringen. Vier lange Tage ohne jegliche Nahrung marschierten die jungen Frauen nachts durch Eis und Schnee und versteckten sich tagsüber vor der chinesischen Grenzpolizei. Erschöpft, aber unendlich erleichtert kam sie dann endlich in Nepal an.

Die Grenze zwischen China und Nepal ist inzwischen wieder passierbar, wenn die geschilderten Bedingungen in Kauf genommen werden. Es kommen wöchentlich zwischen 15 und 20 tibetische Flüchtlinge im Tibetan Reception Center (TRC) an. Zur Zeit befinden sich dort 54 Menschen. Die Neuankömmlinge können nach etwa zwei Wochen mit dem Bus nach Indien weiterreisen. Die indische Regierung stellt die Reisedokumente ohne große Verzögerung aus. – Bis vor zwei Jahren waren zu dieser Jahreszeit immer weit über 1 000 Flüchtlinge im TRC!

Zwei markante Ereignisse meiner Reise möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: Auf meinem Flug nach Kathmandu wurden mir durch einen Trick 2.700,-€ aus meinem Handgepäck entwendet. - Ein
Freund hatte mich gebeten, diesen Betrag für ihn mitzunehmen. – Ich fand den Rest einer € 100,- Banknote und einen Teil des zerfetzten Kuverts, in dem sich das Geld befunden hatte, in meinem Köfferchen. Das Bargeld für unsere Patenkinder blieb zum Glück unangetastet. - Ich möchte Sie trotzdem bitten, mir künftig kein Bargeld mehr mitzugeben, sondern alle Gelder über das Dakini-Konto laufen zu lassen.

Die zweite große Herausforderung war Elfriedes Verlust ihres Reisepasses am Silvesterabend. Wir hatten gerade noch einen Tag, nämlich Freutag den 2.1., um ein Reisedokument für sie zu besorgen. Dank Ani Jangsems und Jigtols Einsatz und den entsprechenden Beziehungen hatte Elfriede nach acht Stunden Bangen den Ersatz-Paß mit Visum in ihren Händen. Wir konnten also am darauf folgenden Montag wie geplant ausreisen.

Bereits am Wochenende vor unserer Abreise begann im gesamten Kloster der große Exodus. Etwa zwei Drittel der Mönche und Nonnen machte sich auf den Weg nach Varanassi, Indien. Dort sollte S.H. der Dalai Lama Belehrungen geben und sowohl für Ordinierte wie für Laien ist es ein Herzensanliegen, die Nähe Seiner Heiligkeit zu suchen und seinen Segen zu erhalten. Einige unserer Dakini-Schützlinge begaben sich so frühzeitig auf Reisen, dass wir keine Chance hatten, sie rechtzeitig zu erreichen.

Das Geld für Notfälle bzw. freie Spenden konnten wir dieses Mal unter den nepalesischen Mitarbeiter im Kloster verteilen, die für die Beschulung ihrer Kinder noch kleine Paten haben. Indem wir sie in unsere Dakini-Aktivitäten einbeziehen versuchen wir dazu beizutragen, die Kluft zwischen den Tibetern und Nepalesen zu überbrücken, denn es gibt da viel Neid, v.a. auch wenn es um die tibetischen Exilklöster geht. Auch die Verarztung eines schwer verletzten Hundes konnte mit den frei verfügbaren Geldmitteln bestritten werden. – Leider hat Nena (die Hündin) trotzdem nicht überlebt. Sie wurde aber mit liebevoller spiritueller Unterstützung durch den Sterbeprozess begleitet.

Meine nächste Nepalreise ist für den 5.4. (Palmsonntag) anberaumt. Bitte schicken Sie die Post für Ihre Patenkinder bereits zwei Wochen früher und die Geldüberweisungen (falls Taschengeld oder sonstige Sonderzahlungen getätigt werden sollen) bis spätestens Mitte März, damit unsere Abrechnung und die Geldüberweisung nach Nepal rechtzeitig abgewickelt werden können.

Ich möchte Ihnen, liebe Dakini-Freunde, für Ihre Unterstützung und Ihr Interesse an unserer Arbeit danken und Ihnen für das neue Jahr von Herzen viel Glück und Segen wünschen, mögen Friede, Wohlergehen und Freude unser aller Leben auf diesem Planeten bestimmen und mögen wir einander Mut machen auf dem Weg in diese Richtung.

Ihre

Eva Anderson

Reisebericht Nepal Ostern 2009

Mein Osterbesuch in Nepal war überschattet vom Tod des Hüters der Chenresig Gompa, Kunchen la, einem Mann mit viel Herzenswärme und Humor, der in einer überzeugenden Weise das buddhistische Geistestraining in die Praxis umzusetzen verstand. Sein Magen-krebs wurde im Februar entdeckt und operiert, aber es war zu spät. Sein Körper war bereits mit Metastasen (Tochtergeschwüren) durchsetzt und die in seiner Lunge verkapselten Tuberkelbazillen sahen ihre Zeit gekommen, auszubrechen und sich zügellos zu vermehren. Am Ostersonntag wurde Kunchen la durch einen sanften Tod von seiner Schmerzen erlöst. Mönche und Nonnen begleiteten ihn mit tagelangen Gebeten und Ritualen in die andere Welt (den Bardo).

Die Tuberkulose schlägt auch im Nunnery gnadenlos zu. Vier von 380 Nonnen wurden im letzten Jahr als neu infizierte Fälle diagnostiziert. Thupten Choekyis Lymphsystem wurde von den Tuberkelbazillen total überschwemmt, so dass ihr Hals beängstigend anschwoll. Über dem Schlüsselbein entwickelte sich ein fulminanter Abszess, den sie mit der Rasier-klinge zu öffnen versuchte! Bei einer anderen Nonnen wurde nach der Behandlung der Lungentuberkulose eine schwere Hepatitis festgestellt. Zu all dem steht bei der 20-jährigen Ani (= Nonne) Lobsang Dolmey die Entfernung eines Hirntumors an, der zwar gutartig ist, aber den Abfluss des Gehirnwassers blockiert. Sie leidet unter unerträglichen Kopfschmerzen, hat aber panische Angst vor einer Operation. Auch Geshe la Jampa, einer der ersten Philosophielehrer der Nonnen, müsste sich operieren lassen. In seinem Magen wächst ein bösartiger Tumor. Wenn er nicht entfernt wird, bildet er Metastasen.- Das Budget des Klosters wird durch diese Krankheitsfälle schwer belastet. Wenn Sie helfen möchten, haben Sie die Möglichkeit, dem „Gesundheits-Fond“ eine Spende zukommen zu lassen.

Es gab aber auch Schönes bei meinem Aufenthalt. Mein Mann Wilhelm und ich begleiteten unseren Klinik-Chef, den Mönch Sangye Tenzin, und die beiden Kinder seines Bruders nach Tatopani, wo seine Familie lebt. – Tatopani an der Grenze zu Tibet, wo die berühmte „Friendship - Bridge“ Nepal mit dem überwältigenden Nachbarstaat China verbindet. Im Dorf konnten wir über eine Hängebrücke den Fluss überqueren, um zur Mühle der Familie am anderen Ufer zu gelangen. Von dort aus sahen wir Tibet unmittelbar vor unseren Augen, am Hang gegenüber. Die Grenze ist in diesem Bereich nicht befestigt, deshalb konnten bislang viele tibetische Flüchtlinge auf diesem Weg nach Nepal gelangen. Das ganze Gebiet ist jedoch jetzt in den Händen der Chinesen und die Bewohner stehen gewaltig unter Druck. Das erlebten wir sehr eindrucksvoll, als wir uns der „Friendship-Bridge“ nähern wollten. Wir gingen durch ein hohes Gittertor vorbei an nepalesischen Grenzposten und dem „Immigration Office“. Da wurden wir umgehend aufgehalten und ins Büro gebeten. Mönchen, Nonnen und Journalisten sei der Zutritt zu diesem Gelände verboten und Touristen dürften auf keinen Fall fotografieren. Ein paar Schritte weiter kam ein kleiner alter Tibeter / Nepalese in Zivilkleidung auf uns zu und bat uns in einem bestimmten Ton, der keine Widerrede duldete, umzukehren. In seiner Stimme schwang im Unterton gewaltige Angst, wie bei jemanden, der gegen seine Überzeugung handeln muss. Wir waren mit zwei Mönchen unterwegs, also verstanden wir seine Not und drehten gehorsam um. Von einem Stück Mauer aus, einer Befestigung des steilen Flussufers, konnten wir auf der gegenüber-liegenden Seite große Bauten – wohl für das chinesische Militär und die Bürokratie – sehen. Von dort aus wird die nepalesische Seite kontrolliert und infiltriert, so dass tibetische Flüchtlinge kein Chance mehr haben, über diesen Weg in die Freiheit zu entkommen.

Ein starkes sinnliches Erlebnis in Tatopani (zu deutsch „heißes Wasser“) war das Bad in den heißen Quellen, die hier aus der Erde kommen. In der Badeanstalt herrscht Volksfest-stimmung und wir mieteten uns eine Wanne in einer Kabine, um uns nicht in der drängelnden Menge einen Platz unter der Dusche erobern zu müssen. Das Wasser (ca. 50°C) fühlte sich kochend heiß an und es bedurfte einiger Überwindung, einzutauchen. Wir ließen uns ein Weilchen garen und motivierten uns mit der Vorstellung, dass es sicher sehr gesund sei. Mit einem befriedigendem Gefühl (weil wir so tapfer waren) und ziemlich erschöpft schliefen wir dann im Hotel in unseren Betten ein.

Ein zweiter lohnenswerter Ausflug führte uns auf einen bewaldeten Berggipfel gegenüber von Suyambunath. Dort befindet sich die Höhle des berühmten indischen Gelehrten Nagarjuna, der auf seinem Weg nach Tibet hier vorbei gekommen sein soll. Unser bewährter Fahrer Dhakal mit seinem bequemen, gut gefederten Kleinbus chauffierte uns eine gute Stunde lang über Stock und Stein auf unbefestigten Waldwegen an steilen Abhängen entlang zum Ziel. Von dort hat man einen wunderschönen Ausblick auf Kathmandu und bei klarer Sicht auf den Himalaya. Wir umrundeten den Stupa, besuchten die Höhle und Ani la Jangsem, unsere Oberin, brachte Gebetsfahnen zum Segen der Dakinis und ihrer Schützlinge an.
Auf der Fahrt nach Nagarjun kam Shristi, Dhakals 18 jährige Tochter mit. Sie hat gerade die 12. Klasse mit dem SLC (School Finishing Certificate) abgeschlossen und wartet auf das Resultat, um sich an einem College zu bewerben. Sie und ihre Schwester Sujita, die an der Universität Wirtschaft studiert, wünschen sich ein Notebook, weil sie zuhause keinen PC haben. – Vielleicht kann jemand aus dem Dakini-Kreis weiterhelfen!

Hier möchte ich mich gleich selbst mit einer Bitte anschließen: Ich hatte dieses Mal meine Kamera vergessen und musste deshalb recht mühevoll die Fotos für die Paten beschaffen. Es wäre mir sehr geholfen, wenn Sie eine Zweitkamera zum Verschenken hätten, dann könnte ich sie in Nepal deponieren bzw. während meiner Abwesenheit einer Nonne zur Verfügung stellen.

Nun zur Situation im Tibetischen Reception Center (TRC): Die Anfahrt wird etwa 100m vor dem Eingang durch ein Gittertor potentiell abgeschirmt. Mit ca. 30 Erwachsenen und 6 Kindern wirkt das Gelände wie ausgestorben. Es kommen etwa 2 Flüchtlinge in der Woche an und man weiß nie, ob es sich nicht um Spione handelt. Das Ausstellen von Reisedokumenten im Immigration Office und der Bustransport nach Indien gehen z.Zt. problemlos über die Bühne. – Die Zukunft des TRC sieht jedoch düster aus. Die chinesische Regierung drängt auf die Schließung. Die Flucht der Tibeter ist ja ein Beweis, dass die propagierte Einhaltung der Menschenrechte in China nicht mehr als eine Farce, ein Täuschungsversuch der Weltöffentlichkeit ist. Dieser Makel soll getilgt werden, die tibetischen Flüchtlinge sollen als Kriminelle abgetan werden, die ihr Land widerrechtlich verlassen haben. Die Maoisten in Nepal gehen mit dieser Haltung Chinas konform. Es gibt allerdings auch starke Gegenkräfte, nämlich das Militär und die demokratischen Parteien (die allerdings unter einander zerstritten sind). Die konservativen Kräfte und Indien bauen den „Babyking“ (den Enkel des letzten regierenden Königs) als Alternative auf und die Bürokratie (in den unteren Chargen) versucht durch Verknappung von Wasser-, Strom- und Benzin-/Kerosinversorgung den Beweis zu erbringen, dass die Regierung unter der Führung der Maoisten unfähig ist, die Probleme des Landes in Griff zu bekommen.

Was den Klöstern droht, wenn die Maoisten im Land das Sagen haben, wurde im Kloster Kopan im März d.J. deutlich. Soldaten belagerten für mehrere Tage das Klostergelände und Mönche, die sich vor einem Jahr an Demonstrationen gegen die chinesische Regierung beteiligt hatten, wurden aufgegriffen und ins Gefängnis gebracht. Jigtol, einem nepalesischen Mönch und gewieften Politiker mit einigem Einfluss, gelang es, sie frei zu bekommen.

Die jungen Tibeter geben jedoch nicht auf. Sie gründen Initiativen zur Unterstützung der politischen Ziele der Tibeter in Nepal („Pod Rig Punda“, www.podrigpunda.com ) und soziale Projekte, um die vielen arbeitslosen Tibeter aufzufangen, die nach ihrer Ausbildung in Indien zurück kommen, weil sie dort keine Chance auf eine berufliche Zukunft haben ( „Café dreamfactory“, www.cafedreamfactory.com).

Eines der Ziele unsere Dakini-Arbeit ist es, den Menschen in Nepal zu ermöglich, vor Ort ein besseres Leben aufzubauen und ein friedliches Zusammenleben der Tibeter und Nepalesen zu fördern. Bitte unterstützen Sie uns!

Reisebericht Nepal Sommer 2009

Liebe Dakini-Freunde,

das „Wichtigste“ vorweg: meine nächste Reise nach Nepal ist für Mitte Dezember geplant und ich möchte bitten, Briefe für Ihre Patenkinder bis zum 7.12. abzuschicken und Geld-überweisungen (Sonderzahlungen, Taschengelder etc.) Anfang Dezember zu tätigen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Paten, die so freundlich waren, auf meiner Bitte nach adressierten Umschlägen bzw. Adressaufklebern nach zu kommen! Manche Kuverts waren sogar frankiert! Ihre Unterstützung brachte mir eine große Erleichterung.

Mein Sommeraufenthalt war geprägt von den Vorbereitungen der Nonnentour, die in der nächsten Woche in Schloss Altenburg bei Rosenheim beginnt. – Sechs Kopan-Nonnen werden drei Monate durch Deutschland und Holland touren um Sandmandalas zu streuen, Chamtänze (rituelle Maskentänze) zu zeigen, vom Klosterleben zu berichten und auf die politische Situation Tibets aufmerksam zu machen. – Zunächst ging es um die Beschaffung des Visums an der deutschen Botschaft. Beim dritten Anlauf schafften wir es, nachdem wir einige Hindernisse zu überwinden hatten. Mit unserer Oberin Ani Jangsem ging es dann einige Tage zum Großeinkauf nach Kathmandu, damit die Nonnen schöne bunte Decken, aus Tibet, Pashminaschals und hübsche Schmuckstücke mitbringen können. Wenn Sie darauf neugierig sind, kommen Sie doch zu einer der Vorstellungen der Nonnen und lassen Sie sich den Anblick eines Sandmandalas nicht entgehen! Den Tourneeplan finden Sie auf unserer Website www.dakini-netzwerk.de.

Großeinkäufe mussten auch wegen des anstehenden Besuchs von 200 Nonnen aus Indien getätigt werden, denn in diesem Jahr findet der Debattierwettbewerb der tibetischen Nonnen im Kopan-Nunnery statt. Riesige Töpfe, Unmengen von Thermoskannen und Küchenutensilien wurden in den Jeep gestopft, so dass wir kaum noch Platz zum Sitzen finden konnten. Bis zum Beginn der berühmten „Winterdebatte“ Ende September soll auch die untere Etage des Neubaus des Klosters fertig gestellt werden. In der riesigen Debattierhalle sollen die besten Studentinnen in einem vehementen Streitgespräch gegen einander antreten. Die Nonnen werden auch auf ihrer Tournee eine solche Debatte präsentieren, damit Sie sich ein Bild von dieser dynamischen Auseinandersetzung machen können, die auch den Körper ganz stark einbezieht.

Mitte August wurde im Gemeindehaus in Boudhanath wieder eine drei Tage dauernde Gebetsfeier angehalten, um für das lange Leben S.H. des Dalai Lama zu beten. Das tibetische Staatsorakel hatte diese Aktion empfohlen. Es war ein Anlass für die tibetische Exilgemeinde, sich zusammen zu finden und sich gegenseitig und im Gebet zu stärken. Denn nach wie vor geht bei den Tibetern in Nepal die Angst um. Die Maos benützen vorzugsweise tibetische Räumlichkeiten, um sich zu streng geheimen Meetings zurück zu ziehen. Sie üben dadurch psychisch einen enormen Druck aus. Niemand weiß, was beraten und beschlossen wird.

Insgesamt ist die politische Situation in Nepal instabil und unberechenbar. Indien fürchtet, seine Vormachtstellung zu verlieren und China benützt die Maos, um seine Interessen durchzusetzen. Sie pumpen tüchtig Geld in das Land, um Sympathien zu gewinnen. So mancher Nepali schlägt sich aus Antipathie gegen Indien auf die Seite Chinas. Die neu erworbene Redefreiheit wird nicht selten als Mittel der Diffamierung von Gegnern und Anders denkenden eingesetzt und es besteht die Gefahr einer Zersplitterung in miteinander rivalisierende Volksgruppen und Religionsgemeinschaften. Ein privater Fernsehsender beschuldigte z.B. ein großes Kloster in Namobuddha, Waffen zu verstecken, nachdem bei den Maos ein illegales Waffenlager entdeckt worden war. Die Klöster gerieten insgesamt in den Brennpunkt harscher Kritik, ja Verleumdung. Der Sender sollte deshalb zur Rechenschaft gezogen werden, doch die bösen Anschuldigungen waren nun mal in die Welt gesetzt. - Die öffentliche Anerkennung der Hilfe der tibetischen Frauenorganisation für die nepalesischen Durchfallopfer an der Peripherie des Landes in der Presse weckte dagegen Hoffnung. Es gibt in Nepal auch eine Schicht reicher Investoren, die auf eine strahlende Zukunft setzen, Kaufhäuser im westlichen Stil errichten und mit einer Million Besucher im Jahr 2011 rechnen. Dem steht die Masse der die arbeitslosen, kranken Menschen gegenüber, die sich Nahrungsmittel wegen der brutal steigenden Preise nicht mehr leisten können, weil die Subventionen zurück gezogen wurden.

Ich möchte mich jetzt lieber von der widersprüchlichen Menschenwelt den Tieren zuwenden, denn da gibt es einiges Erfreuliches zu berichten. Zum einen war das „Retten der Fische“ ein Höhepunkt meines Aufenthalts. Wir erstanden am Kalamatichok, dem großen Lebensmittel- markt in Kathmandu, 80 kg lebende Fische , die eigentlich für die Bratpfanne bestimmt waren. – Entsprechend der buddhistischen Tradition wollten wir Leben retten, um Verdienste zu erwerben (positive Energien erzeugen) und sie dem langen Leben unserer spiritueller Lehrer zu widmen. – Wir packten die Fische also in Styroporbehälter mit nicht zu viel Wasser, damit wir die Kisten gerade noch heben konnten und fuhren im Eiltempo – soweit es der dichte Verkehr in Kathmandu zuließ – zum Rani Pokhara (dem „See der Königin“) mitten in der Stadt, wo nicht geangelt werden darf. Dort versorgten wir zunächst unsere Fische mit hinreichend Wasser, besorgten Fischfutter für die bereits vorhandenen Artgenossen, damit sie die Neulinge in Ruhe ließen und nicht attackierten. Dann übergaben wir unsere Fische, die in den Transportbehältern bislang in Todesängsten um sich geschlagen und dann in Resignation erstarrt waren, unter Gebeten dem Wasser, der Freiheit, einem zweiten Leben. Es war ein Hochgefühl, sie abtauchen und dann wild auseinander stoben zu sehen!

Im Kloster Kopan gibt es übrigens seit ein paar Jahren ein „Tierparadies“. Dort werden Tiere, die zum Schlachten bestimmt waren und frei gekauft wurden, aufgenommen und versorgt. Auch altersschwache und kranke Tiere finden dort eine Heimat und werden gepflegt. Eine der ersten Bewohnerinnen in diesem Tierhimmel war Shanti, eine Ziege die Ulrich, Sabine und ich 2007 zur Feier des neuen Jahres gerettet haben. Heute leben 10 Ziegen auf dem Gelände, 8 davon sind trächtig und eine hat 2 Junge geworfen, während ich da war. Es war ein großes Ereignis für die kleinen und großen Nonnen! Wir konnten uns gar nicht satt sehen an den süßen Kleinen, die unbeholfen durch die Welt staksten und noch nicht einmal das Euter der Mutter so richtig finden konnten.

Was den Gesundheitszustand von Nonnen und Mönchen betrifft, gibt es auch z.T. gute Neuigkeiten. Der Gehirntumor der jungen Nonne (wie letztes Mal berichtet) wurde erfolgreich operiert und sie setzt jetzt beschwerdefrei und überglücklich ihr Studium fort. Der Magentumor von Geshe Jampa hat sich als gutartig und nicht operationsbedürftig herausgestellt. Leider hat sich die Lymphknotentuberkulose von Ani Choekyi nicht eindämmen lassen,. Sie produziert trotz der einschlägigen Behandlung ständig neue tuberkulöse Abszesse im Halsbereich. Es handelt sich bei ihr offensichtlich um einen multiresistenten Tuberkelbazillus. Ein ebenso dramatischer Fall von Tuberkulose begegnete mir in Gestalt von Namdröl, der Schwester von Kelsang, einem Lehrer der Klosterschule. Namdröl bekam vor einem Jahr während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester in Südindien nach einer schweren Lungentuberkulose einen Rückfall, der aber zu spät erkannt wurde. Als die Diagnose gestellt wurde, war lag bereits eine Tuberkulose im dritten (organdestruktiven) Stadium vor. Die Eltern mussten ihre Tochter zu sich nach Kathmandu holen und die Mutter gab ihre Stelle als Lehrerin auf, um sie zu pflegen. Namdröl ist auf 28 kg abgemagert und besteht nur noch aus Haut und Knochen. Sie kann sich kaum auf den Beinen halten. Sie muss täglich gespritzt werden (die Einstichstellen schmerzen furchtbar!), bis der Speicheltest negativ ausfällt. Die Familie hat für die Behandlung alle finanziellen Reserven aufgebraucht, die ganze Großfamilie hat Geld zusammengelegt und der Bruder Kelsang hat sein Jahresgehalt im Kloster als Vorschuss genommen, damit die Behandlung der Schwester fortgesetzt werden kann. – Dank der großzügigen freien Spenden in unserem Etat konnten wir der Familie als Notfall unter die Arme greifen. Wir suchen jetzt aber einen Paten, der Namdröls Behandlungskosten von € 120,- pro Monat übernehmen kann, bis sie auskuriert ist. Natürlich können sich auch mehrere Paten diesen Betrag teilen.

Mit dieser traurigen Geschichte möchte ich meinen Bericht enden und hoffe, dass wir gemeinsam eine Lösung finden können.

Nochmals ein herzliches Dankeschön an alle Paten! – Wir haben im Nunnery wieder eine Tarapuja gemacht und um Glück und Segen für alle Dakas und Dakinis (männliche und weibliche Sponsoren der Dakini-Familie) gebetet. Mögen unsere guten Wünsche in Erfüllung gehen!

Ich wünsche Ihnen einen sonnig warmen Altweibersommer voll Farbenpracht und einer reichen Ernte

Ihre
Eva Kuczewski-Anderson

Reisebericht Nepal Winter 2009/2010

Weihnachtsbericht  2009/2010

Ich hatte bei der letzten Reise viel Glück: Trotz heftigen Wintereinbruchs mit Eis und Schnee schaffte ich es rechtzeitig zum Abflug und ich kam am Abend vor dem 72-stündigen Generalstreik – das bedeutet kein Autoverkehr auf den Straßen – an. Bei meiner Rückkehr schafften wir es trotz schneeverwehter Straßen ohne Zwischenfälle und Staus zurück nach Würzburg. Den mutigen, einsatzfreudigen Fahrerinnen sei tausend Dank!

Die ersten drei Tage in Kathmandu war ich wegen des Streiks mehr oder weniger zur Untätigkeit gezwungen. Wir konnten zwar auf den verkehrsberuhigten Straßen gemütlich nach Boudhanath spazieren und den Stupa umrunden. Die Geschäfte waren geschlossen Und wir bekamen nichts von den Tumulten auf der Ringroad mit, wo Demonstranten Fahrzeuge demolierten und Reifen verbrannten.

Die Maoisten halten die Bevölkerung mit unrealistischen Versprechungen - wie „Vereinbarungen mit der Regierung Vollbeschäftigung und gerechte Löhne bei eingeschränkten Arbeitszeiten“ - und durch Drohungen in Schach. Sie werden vom chinesischen Regime unterstützt bzw. finanziert. China macht seinen Einfluss im öffentlichen Bereich zunehmend geltend. Der Ausbau der Infrastruktur, das Gesundheitswesen, Bildung und der Arbeitsmarkt werden weitgehend von China bestimmt. Fördergelder fließen reichlich, zugleich wird aber auch die Kontrolle über die jeweiligen Bereiche übernommen. Der Hass gegen Indien wird mit dem Hinweis auf „ nationale Eigenständigkeit und Unabhängigkeit von Fremdmächten“ geschürt und die Regierung beschuldigt, „eine Marionette Indiens“ zu  sein. Zugleich wird der Föderalismus - das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmung der Stämme- mit Gewalt gefordert und gefördert. Dadurch wird der Zusammenhalt des nepalesischen Staates geschwächt und die Differenzen zwischen den Bevölkerungsgruppen spitzen sich zu. Der Einfluss der Regierung wird durch diese Aktionen beeinträchtigt. Beeindruckend ist der Bau einer riesigen Verbindungsstraße zwischen der chinesisch-nepalesischen (sprich: tibetischen) Grenze und Kathmandu. Sie soll natürlich nur einer florierenden Handelsbeziehung dienen, wird gesagt. Wann wird Nepal offiziell eine Provinz Chinas sein, frage ich mich? Die Propagandamaschine mit Täuschen und Tricksen läuft auf Hochtouren.

Die Grenze zu Tibet ist nach wie vor dicht, auch wenn sich zurzeit ca. 90 Tibeter im TRC (Tibetan Reception Center)  aufhalten. Jeden Tag erscheinen kleine Gruppen von Neuankömmlingen und einmal in der Woche werden sie in Bussen mit 30-40 Personen nach Indien weiter transportiert. Viele von ihnen haben chinesische Pässe, die sie zu horrenden Preisen erstanden haben und in denen kein indischer Stempel vorhanden sein darf, damit sie nach ihrer Rückkehr nach Tibet keine Schwierigkeiten bekommen. Sie alle wollten nach Bodhgaya, wo S.H. der Dalai Lama vom 4. -9. Januar Belehrungen gab. Sie wollen ihn wenigstens einmal in ihrem Leben sehen! Manche von den Tibetern bleiben auch in Indien, um eine neue Existenz in Freiheit aufzubauen und ihren Kindern eine Erziehung im Geiste des Buddhismus und der tibetischen Tradition angedeihen zu lassen.

Bodhgaya war auch das Ziel unserer Mönche und Nonnen und einer Vielzahl von Tibeterinnen und Tibetern, die in Nepal leben. Am Abend es ersten Tages des neuen Jahres  - am Ende eines neuerlichen Streiktages – leerte sich das Kloster dramatisch. 16 große Reisebusse setzten sich vom Nunnery aus in Richtung Indien in Bewegung, nur ganz wenige blieben zurück.

Ich muss deshalb um Nachsicht bitten, dass ich nicht alle Patenkinder rechtzeitig vor ihrer Abreise kontaktieren konnte, denn die erste Streikperiode zögerte den Erhalt der Spendengelder um eine halbe Woche hinaus und als sie endlich verteilt werden konnten waren viele Tibeter schon aufgebrochen.

Weil die Situation unbefriedigend ist und weil wir alle – unser Schatzmeister, unsere Oberin Ani Jangsem und unser Klinikchef Sangye Tenzin - einschließlich meiner eigenen Person – am Rande unserer Belastbarkeit angekommen sind – möchten wir vor Ort jemanden einsetzen, der sich um die Patenschaften kümmert, für die Kommunikation zwischen Patenkindern und Sponsoren sorgt und uns dadurch entlastet. Wir Ehrenamtlichen werden durch die Supervision mit Sicherheit ausgelastet sein.

Ein besonderer Belastungsfaktor war bei diesem Besuch im Kloster Kopan war der Ansturm von Besuchergruppen aus Singapur und Malaysia, denen der Neubau des Nunnery weitgehend zu verdanken ist und die deshalb einen entsprechenden Service von Seiten unserer Oberin Ani Jangsem erwarten durften. Es gab sehr interessante Begegnungen mit den asiatischen Freunden, z.B. mit einem jungen Rinpoche namens Kusang Dorjee aus Singapur. Er wurde in Sikkim geboren, wuchs aber bei seinem Großvater – ebenfalls einer anerkannten Wiedergeburt – in einem Kloster in Tibet auf. Mit 9 Jahren wurde er in eine Höhle im Himalaya geschickt, um dort 3 Jahre lang ohne Essen und Trinken zu meditieren. Seine einzige „Nahrungszufuhr“ sollten heilige Pillen sein. Nach 3 Monaten brach der Junge das Retreat ab und lief zurück zum Kloster, wo er dann bis zum Alter von 17 Jahren blieb, um eine klassische monastische Ausbildung zu erhalten. Dann legte er sehr zum Ärgernis des Großvaters seine Roben ab und schloss sich seinen Eltern an, die inzwischen in Singapur leben. Jetzt reist er mit seinen 19 Jahren durch Asien, um zu lehren. Gerade bei jungen Menschen kommt er ungeheuer gut an. Seine für einen tibetischen Lama unkonventionelle Erscheinung gleicht einem ganz normalen „Teeny“ aus dem Westen. Er kann aber überzeugend ganz wundersame Geschichten erzählen und seine Persönlichkeit berührte mich tief.

Ein gesellschaftlicher und spiritueller Höhepunkten war die Essenseinladung ins „Yak und Yeti“, dem  ältesten und einem der nobelsten Hotels in Kathmandu von Geshe Tenzin Sopa, dem Herzenssohn des früheren Lama Kunchok und dem Verantwortlichen für seine Wiedergeburt Tenzin Phuntsok Rinpoche. Weitere erwähnenswerte Erlebnisse waren die Pilgerfahrten nach Parping, wo sich eine grüne Tara aus dem Felsen herausbildet und wo Guru Rinpoche und Vajrayogini Heiligtümer haben. Auch Namobuddha besuchten wir, wo Buddha in einem früheren Leben seinen Körper einer verhungernden Tigerin  mit ihren Jungen geopfert hat. An diesen heiligen Orten und am Stupa von Boudhanath ließen wir in den höchsten Höhen Gebetsfahnen anbringen, um Bitten um Glück und Segen für alle Wesen, besonders aber auch der Sponsoren des Dakini-Netzwerks, von den Winden gegen Himmel tragen zu lassen.

Auch unsere traditionelle Jahrespuja wurde im Nunnery in Auftrag gegeben. Die Nonnen wurden gebeten, für alle Förderer des Dakini-Netzwerks zu beten, damit dieses Jahr  erfolgsreich werde und ihre Wünsche erfüllt würden. – Sie dürfen für dieses Jahr also einiges Gutes erwarten.

Ich möchte Ihnen im Namen aller Patenkinder ganz herzlich für Ihre großzügigen Spenden danken, die in vielen Notsituationen Hilfe bringen, jungen Menschen eine solide Ausbildung ermöglichen und hoffentlich für Ihr Leben eine Bereicherung bringen, wie z.B. die liebevolle Verbundenheit mit Menschen in einem exotischen, notleidenden und faszinierenden Landes.

Meine nächste Nepalreise ist für Mitte Mai geplant. Ich möchte Sie deshalb bitte, mir Briefe für Ihre Patenkinder bis Anfang Mai zukommen zu lassen und ggf. Geldüberweisungen noch vor Ende April zu tätigen. Ich möchte Sie bitte, von Geschenken (Spielzeug etc.)abzusehen und lieber etwas Geld in den Umschlag zu tun, damit sich die Patenkinder selbst besorgen können, was sie möchten und brauchen und was ihrer Lebenssituation angemessen ist. Leider kommt es sonst auf Seiten der liebevollen Paten gelegentlich zu Enttäuschungen... Eine einschneidende Veränderung in meinem Leben möchte ich Ihnen an dieser Stelle gleich ankündigen: Ich werde Ende März zu meinem Mann nach Hamburg ziehe. Die Mail-Adresse für das Dakini-Netzwerk wird gleich bleiben, aber Anschrift und Telefonnummer verändern sich. Ich werde Ihnen die neuen Daten zur gegebenen Zeit bekannt geben.

Mit allen guten Wünschen für dieses Jahr 

IhreEva Anderson

Reisebericht Nepal Mai 2010

Liebe Dakini-Freunde,

Sie warten mit großer Spannung auf meinen Bericht aus Nepal, und ich muss um Nachsicht bitten, weil ich Sie so lange habe warten lassen. Der Aufbau einer Privatpraxis erfordert einen großen Einsatz, zumal in Hamburg, wo es ein Überangebot an Therapeuten gibt.  

Zuvor aber noch ein paar organisatorische Neuerungen: Wie die meisten von Ihnen bereits wissen, haben wir bei unserer letzten MV im März beschlossen, auf Grund meines Umzugs den Vereinssitz nach Hamburg zu verlegen. Die neue Adresse lautet: Steindamm 48, 20099 Hamburg. Tel. 040/69219047

In Nepal gibt es jetzt eine direkte Ansprechpartnerin für unser Dakini Netzwerk: Sonam Tsomo, die Schwägerin unserer Oberin Ani Jangsem. Sie lebt mit ihrem Mann Norbu, der für einen tibetischen Teppichproduzenten die Büroarbeit erledigt, und der zweijährigen Tenzin Namdröl in Boudhanath. Sie können alle Fragen, die unsere Patenkinder in Nepal betreffen, an sie richten und mir bitte eine Kopie Ihres Schreibens zukommen lassen, damit ich am Laufenden bleibe, was vor sich geht. Ani Jangsem und ich werden als Supervisoren fungieren. Es hat sich bei meinem letzten Besuch gezeigt, dass Ani Jangsem mit der Leitung des Nunnery und ihren organisatorischen Aufgaben in der tibetischen Gemeinde in Boudhanath mehr als ausgelastet ist.  

Sonam freut sich auf ihre Aufgabe und wir können sie finanziell durch Mittel aus den Mitgliedsbeiträgen unterstützen, was für ihre wachsende Familie eine willkommene Entlastung bedeutet. - Sonam steht knapp vor der Geburt ihrer zweiten Tochter. In den ersten Wochen nach der Geburt wird sie Norbu als Konaktstelle für die Dakini-Sponsoren vertreten. Ihre Mailadresse lautet:

sonam.dkininet@gmail.com

Für meine  Nepalreise in diesem Jahr habe ich „Saka Dawa“, den „heiligen Monat“ gewählt, in dem Buddha Shakyamunis Geburt, Erleuchtung und Eingang ins Parinirvana gefeiert werden. Es ist eine Zeit großer religiöser Festlichkeiten. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt, ja übertroffen. Lama Zopa Rinpoche, der Gründer des Kloster Kopans und spirituelles Oberhaupt der weltweiten Organsiation FPMT (Foundation for Preservation of Mahayana Tradition) reiste  am Freitag an, Dagri Rinpoche (ein naher Vertrauter S.H. des Dalai Lama) und Khandro (eine Seherin und Heilerin, man sagt sogar eine Erleuchtete aus Dharamsala) trafen am Samstag ein.

Nur eine Stunde später landete Beate Spinrath, eine befreundete Journalistin aus Würzburg, am Tribhuvan Airport in Kathmandu. Beate wird einen Bericht über ihre Erlebnisse während ihres Aufenthalts in Nepal in der Main Post veröffentlichen und ich werde Ihnen diesen Artikel  mit Zustimmung der Autorin weiterleiten.

Die drei genannten  führenden spirituellen Lehrer unserer Gelugpa-Schule hielten vom 23.- 28, Mai täglich für viele Stunden am Tag machtvolle Reinigungs- und Segensriuale buchstäblich mit Pauken und Trompeten ab.

Der Tempel am Stupa von Boudhanath von Choekya Rinpoche war bis auf das letzte Plätzchen gesteckt voll und immer wieder sammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Eingang, um doch auch etwas mitzubekommen. Besonders eindrucksvoll war ein lebensgroßes Bild S.H. des Dalai Lama auf dem Thron. Man bekam den Eindruck, er sei tatsächlich anwesend! Die Feierlichkeiten werden seit dem letzten Jahr auf die ausdrückliche Bitte des Dalai Lama hin abgehalten. Er selbst darf nicht nach Nepal einreisen, um die chinesischen Nachbarn der Nepalesen nicht zu verärgern. Die Pujas sind einer günstigen Entwicklung in Tibet (in Richtung Autonomie) und dem Weltfrieden gewidmet. Zum Abschluss gab es jeden Tag „Tsok“, d.h. Ritualkuchen und andere leckere Köstlichkeiten, die im Rahmen der Puja gesegnet wurden. Damit die Fülle der Früchte, Kekse, Säfte und Süßigkeiten auch mitgenommen werden konnte, bekamen wir Einkaufstüten! Draußen warteten dann die Bettler und es war nicht schwer, den  Überfluss zu teilen. - Die reichen Gaben wurden über  Spenden der  Tibeter, Nepalesen und ausländischer Gäste vor Ort finanziert.

Ein besonderer Höhepunkt war für mich die Einladung in das Haus des Bruders von Lama Zopa Rinpoche in Boudhanath. Sein Name ist Sangay und er ist der Projektleiter für den Bau eines neuen Tempels in Solokhumbu. Die Familie von Lama Zopa Rinpoche stammt aus diesem Grenzgebiet nahe Tibet im Norden Nepals. Rinpoche trägt daher eine besondere Verantwortung für die Menschen in dieser über 4.000m hoch gelegenen, kargen  Himalayaregion und man spürt das tiefe Mitgefühl gerade mit den zurückgebliebenen Alten, die sich selbst nicht mehr helfen können. Die Jungen sind oft in die Stadt gezogen, wo sie mangels Ausbildung keine Arbeit finden konnten und sich und ihre Familien nun bestenfalls gerade so durchbringen. Die durch das harte Leben verbrauchten alten Menschen sind sich selbst überlassen und leiden unter Hunger, Kälte, vielfältigen Krankheiten und Altersgebrechen. Deshalb hat Lama Zopa Rinpoche den Bau eines Altenheims bzw. kleiner Hütten für die notleidenden alten Menschen in dieser Region angeregt. Der Auftrag wurde an Sangay und das Dakini-Netzwerk vergeben. Es ist kein Projekt, das im nächsten Jahr umzusetzen ist, sondern einige Jahre in Anspruch nehmen wird. Wir können aber bereits jetzt mit den Vorbereitungen beginnen. Vielleicht haben Sie das Bedürfnis nach „Großeltern“ im Himalaya, vielleicht ist es eine Gelegenheit, Versäumtes in der eigenen Familie gleichsam gut zu machen. Wenn Sie für Oma oder Eltern in dieser Welt nichts mehr tun können, tut sich hier eine Möglichkeit auf, es so zu sagen symbolisch nachzuholen. Bei der wunderbaren Idee von Lama Zopa Rinpoches handelt es sich um ein durch und durch spirituelles Konzept. Die alten Menschen sollen nicht nur mit Nahrung und medizinischer Hilfe versorgt werden, sondern Anleitung für eine tiefgehende Dharmapraxis erhalten. Neben täglichen gemeinsamen Gebeten, Rundgängen um Stupas (Khora) und Niederwerfungen (so fern noch möglich) soll es tägliche Belehrungen geben, damit der Übertritt in eine andere Daseinsform fundiert vorbereitet wird. Die Verdienste sollen den Gönnern und dem Wohl der ganzen Welt und allen Wesen gewidmet werden.

Diese alten Menschen können sich ganz uneingeschränkt auf den Dharma konzentrieren, denn in dieser Welt haben sie nichts mehr zu gewinnen. Ich werde Sie über die Entwicklung dieses Projekts am Laufenden halten.

Nun aber zu andern Seite des Lebensspektrums: Pema Dikey, eines unserer ersten Patenkinder hat am 17. Mai auf dem natürlich Wege ein Mädchen geboren!  Die Ärzte hatten wegen der Größe des Kindes einen Kaiserschnitt empfohlen, aber Dikey ließ ein Mo (Vorhersage eines Lamas) machen und erhielt tibetische Medizin zur Unterstützung des Geburtsvorganges. Umso  glücklicher präsentierten die jungen Eltern ihr Töchterchen. - Dikey war mit 14 Jahren praktisch ohne Schulbildung aus Solokhumbu nach KTM gekommen, und musste erst lesen und schreiben lernen. Sie schaffte durch Einzelunterricht neben dem normalen Schulbetrieb den offiziellen Abschluss, sie spricht heute Englisch und kann mit Computern umgehen. Sie hat einen kleinen Internetshop in Kathmandu eröffnet. All das war durch die Unterstützung ihres „Dakini-Vaters“ möglich!

Eine andere erfreuliche Entwicklung kann ich von Namdröl berichten, die wegen ihrer Tuberkulose dritten Grades ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Südindien abbrechen mußte und nun in Kathmandu von ihrer Familie gepflegt wird. Dank der Unterstützung durch das Dakini-Netzwerk können die teuren Medikamente bezahlt werden. Bei der letzten Untersuchung wurde eine Besserung des Organbefundes festgestellt und die Medikamente konnten halbiert werden, d.h. sie muss nur jeden zweiten Tag eine der schmerzhaften Spritzen erhalten. Leider hat sie von den Körperkräften her nicht zugelegt, sie kann sich nur mühsam auf den Beinen halten, sie kann nur wenig essen und  alles strengt sie an.  Sie ist aber nicht mehr lebensmüde sondern kämpft jeden Tag tapfer weiter, um stärker zu werden und zu genesen. Sie hat wieder Hoffnung. In drei Monaten muss sie allerdings wieder nach Südindien zur nächsten Kontrolluntersuchung reisen und davor ist ihr arg bange.

Unser anderer brisanter Fall von Tuberkulose in Indien ist unter Konterolle. Die Familie ist keimfrei und Nyima Gyalpo, der Familienvater, muss sich zwar noch schonen und kann nicht arbeiten, befindet sich aber auf dem Weg der Heilung.

Mit diesen erfreulichen Nachrichten möchte ich meinen Bericht schließen. Ich werde die Briefe aus Nepal in den nächsten Tagen verschicken.

Bitte lassen Sie mir Post für Indien noch vor Ablauf des Monats Juni zukommen! (Adresse s.o.)Ich werde Mitte Juli nach Dharamsala fliegen, um unsere Patenkinder dort zu besuchen.

Meine nächste Nepalreise plane ich Mitte November 2010. Bitte wieder ausschließlich Briefpost und ggf. Taschengeld für Ihre Schützlinge mit zu schicken! Ich kann den Transport sonst nicht bewältigen. Einzahlungen bitte bis Ende Oktober zu tätigen, damit wir sie bei der Überweisung nach Nepal berücksichtigen können.

Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Sommer und freue mich, das neue Projekt mit Ihnen in Angriff zu nehmen.

Mit herzlichem Dank an Sie alle für die Unterstützung unserer Dakini-Projekte, insbesondere auch unserer Problemfälle,

Ihre

Eva Anderson


Liebe Dakini-Freunde,

hier noch ein Nachschlag zu meinem letzten Bericht.

Anfang Mai herrschte in Nepal eine große Anspannung und wieder einmal wurde das Land durch einen Generalstreik lahm gelegt. Die Maos wollten ihre Macht demonstrieren und beorderten ihre Genossen aus den entlegenen Gebieten nach Kathmandu und brachten sie in Internatsschulen und öffentlichen Einrichtungen unter. Die Interviews mit den Dorfbewohnern im Fernsehen zeigten jedoch, wie unbedarft diese Menschen waren, dass sie eigentlich nur die Gelegenheit wahrnehmen wollten, kostenlos in die Hauptstadt zu kommen. Die Tage vor dem Ablauf des Ultimatums Ende Mai – das Land sollte bis zu diesem Zeitpunkt eine neue Verfassung bekommen - waren dann zwar spannend, aber es gab keine größeren Zwischenfälle. Im letzten Moment einigte man sich dann auf eine Verlängerung der Frist um ein Jahr. Damit trat eine politische Entspannung ein, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt habe. Die Gegenkräfte gegen die Maos scheinen zu greifen und die Bevölkerung demonstriert durch verschiedene Aktionen, das sie nur eines, nämlich Frieden wünscht. Der chinesische Einfluss erschien mir nicht mehr so uneingeschränkt die politische Szene zu beherrschen.

Ein vorsichtiges Ausbalancieren zwischen den übermächtigen Nachbarn Indien und China war deutlicher wahrzunehmen als bei meinem letzten Besuch im Dezember letzten Jahres. Entsprechend wird auch die Situation mit den tibetischen Flüchtlingen mit viel Diplomatie gehandhabt. In der Presse herrscht ein rauer Ton, wenn es um die „illegalen Übertritte“ geht, aber der Transfer nach Indien über das TRC (Tibetan Reception Center) läuft wie eh und je. Bei meinem Besuch befanden sich 64 Flüchtlinge dort, die am nächsten Tag mit dem Bus nach Dharamsala aufbrechen sollten. Mein Eindruck war, die rigorose Bewachung des Grenzgebietes zu Nepal geht von China aus und Nepal fügt sich.

Als gutes Zeichen werte ich die Tatsache, dass die Tibeter am Stupa von Boudanath öffentlich große Pujas abhalten durften, um den Geburtstag von Buddha Shakyamuni zu feiern.  Man kann z.Zt. eine Riese nach Nepal uneingeschränkt empfehlen.

So viel zur politischen Lage. Die wirtschaftliche Situation ist sehr angespannt und das Abrutschen des Euro traf unsere Patenkinder hart. Wir bekamen etwa ein Viertel weniger für den Euro als noch vor 6 Monaten! Dabei steigen die Lebensmittelpreise weiterhin unaufhörlich.

Die Post aus Nepal müßte morgen eintreffen. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen der Briefe Ihrer Patenkinder!

Mit herzlichen Grüßen

Eva Anderson

Reisebericht Indien Juli 2010

Es ist Regenzeit. Monsun in Dharamsala bedeutet überwiegend nasse Kälte, zwischendurch Momente mit bitzblauem Himmel in einer überwältigenden Gebirgslandschaft, atemberaubende Ausblicke weit entfernt unten im Tal. Ich vergesse immer wieder, wie weitläufig dieses Land ist und bin überrascht, wie lange wir zu unseren Zielorten unterwegs sind. Es ist eine andere Welt, ein anderes Zeiterleben hier in Indien.

Nach drei Jahren bin ich endlich wieder hier, um unsere Patenkinder zu besuchen und mich um ihre Familien zu kümmern. Die zarten scheuen kleinen Jungs sind zu hochgewachsenen Jugendlichen aufgeschossen und begegnen mir mit selbstsicherem Charme. Sie sprechen ganz selbstverständlich Englisch mit mir und interessieren sich für Fußball und internationalen Sport. Der Worldcup war der Hit!

Hier wächst eine neue Generation heran, die leidvolle Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern unter dem Terror des chinesischen Regimes gehört für sie der Vergangenheit an.

Andererseits wurde ich von verschiedenen Seiten mit leidvollen Lebensgeschichten konfrontiert, die man als prototypische Schicksale im besetzten Tibet sehen kann. Eine davon wurde mir von Thupten Jampa, dem jüngsten Bruder von Dagri Rinpoche erzählt. Er berichtete von dem Verlust von Hab und Gut, von Würde und Freiheit, von Gefängnis, Folter und Tod der nächsten Angehörigen. Einsamkeit und Angst, Hunger und beißende Kälte gehörten zu den Grunderfahrungen seiner Kindheit. Frühzeitig hieß es Schafe und Yaks weiden und die Verantwortung für die Tiere zu tragen, eine Überforderung für einen so kleinen Jungen. Lesen und Schreiben konnte ihm niemand beibringen, die Familie war zerstreut und er war sich selbst überlassen.

Da Thupten ein ausgesprochenes Talent besitzt, Geschichten zu erzählen, habe ich ihn ermutigt, seine Biografie zu schreiben. Ich hoffe, dass die Leser durch sein Beispiel in ihrem Lebensmut gestärkt und ermutigt werden, trotz größter Widrigkeiten durchzuhalten, und im Vertrauen auf gute Mächte auf eine günstige Wende des Schicksals zu hoffen, wenn die eigenen Bewältigungsmittel erschöpft sind.

Ein ausgesprochen glücklicher Umstand während meines Aufenthaltes in Dharamsala war die Anwesenheit der drei großen Lamas (s. Nepalreise), was ungewöhnlich ist. Ich konnte Lama Zopa Rinpoche , Dagri Rinpoche und Khandro la wieder sehen und ihren Segen empfangen. Khandro la gefiel unser „Dakini-Netzwerk“ sehr, bedeutet Dakini doch dasselbe wie Khandro in der tibetischen Sprache. Da sie eine große Familie in Tibet hat, die als arme Bauern ihr Leben fristen und den zahlreichen (9) Kindern keine Ausbildung angedeihen lassen können, hatte ich die Idee, ihr unsere Hilfe anzubieten. Ich hoffe, dass wir für eine Nichte, die bereits in Indien das TCV besucht und einen Neffen, der noch in Tibet bei seinen Eltern lebt, Paten finden. –

Sie werden in Kürze entsprechende Infos auf unserer Homepage finden. Während der Audienz im Palast S.H. des Dalai Lama (wo sie wohnt) gab Khandro la wunderbare tiefgründige Belehrungen. Wir können nur hoffen, dass sie bald nach Deutschland kommt, um zu lehren!

Lama Zopa Rinpoche beeindruckte mich durch eine Erzählung aus seiner Kindheit zutiefst. Er wollte als kleiner Junge in Solokhumbu fremdländischen Bergsteigern

am anderen Ufer des Flusses unbedingt Kartoffel (das Grundnahrungsmittel in dieser hoch gelegenen Gebirgsregion) bringen und wäre dabei beinahe ertrunken. Sein tiefer Wunsch, den Menschen im Westen geistige Nahrung zu bringen hat nicht nachgelassen. Auch heute schont er sich nicht und riskiert sein Leben, um für seine Schüler da zu sein. Er ist ständig unterwegs, um die vielen Zentren in allen Ländern dieser Erde zu besuchen.

Dagri Rinpoche hat versprochen, im Spätherbst bzw. Winter wieder nach Deutschland zu kommen, sofern er ein Visum erhält, um in München (Aryatara-Institut) und in Fichtheim (Taramandala / Dieter Kratzer) Belehrungen zu geben.

Auf der jeweiligen Website werden Sie im September die entsprechende Ankündigung finden. Es lohnt sich, dabei zu sein!

Am letzten Tag meines Aufenthalts hatte ich eine beeindruckende Begegnung mit einem Mönch, der den Rest seines Lebens als Einsiedler in den Bergen des Himalaya verbringen möchte. Da auch Eremiten essen und für eine noch so bescheidene Unterkunft zahlen müssen, suchen wir einen Paten für ihn. Seine Geschichte wird auf unserer Homepage erscheinen.

Ich muss die Paten der „indischen Kinder“ um Verständnis bitten, weil ich nicht alle Geschenke mitbringen konnte, die mir für ihre Paten gebracht wurden. Meine Kapazität, das Gepäck zu befördern, reichte einfach nicht aus. Die Bilder Ihrer Patenkinder stellen wir ins Internet, damit ich sie nicht einzeln verschicken muss.

Das spart Papier und Porto und Sie können selbst ausdrucken oder speichern, was für Sie interessant ist.

Abschließend möchte ich noch eine Bitte an Sie richten: Da wir durch das Wachstum des Dakini-Netzwerks und durch die Ausgaben für Vertrauensleute vor Ort zusätzliche Kosten haben, würden wir uns über ein paar mehr Mitglieder freuen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beläuft sich auf € 60,-. Da wir die Gelder der Paten – die ja keine Mitglieder sein müssen - uneingeschränkt an die Begünstigten ausbezahlen, haben wir nur einen begrenzten finanziellen Puffer.

Meine nächste Nepalreise ist Mitte Dezember geplant. Wir möchten Sie bitten, die Post und ggf. Taschengelder noch vor Ende November auf den Weg zu bringen.

Kassensturz und Überweisung erfordern immer einen gewissen Vorlauf.

Im Namen aller Patenkinder möchten wir Ihnen für Ihre Unterstützung danken!  Juli 2010

Ergänzungsbericht

In Dharamsala traf ich Tenzin Yangzoms jüngsten Bruder Tsering wieder. Er kam vor 3 Jahren mit der Mutter und dem älteren Bruder, der geschiedenen Schwester Sonam und ihren beiden Söhnen aus Amdo nach Indien, um S.H. den Dalai Lama zu sehen und die Schwester in Indien zu besuchen. Sonam und ihre Kinder und auch Tsering blieben in Dharamsala, während die anderen nach Hause zurück kehrten.

Tsering hatte in Lhasa ein Studium an der Kunstakademie absolviert und war fest entschlossen, sich als frei schaffender Künstler durchzuschlagen. Auf meinen dringenden Rat hin versuchte er sich in einer Thanka-Malschule, aber diese Art des Malens entsprach ihm so gar nicht. Wie auch seine beiden Schwestern ist er ein sehr hartnäckiger und eigenwilliger Charakter. Er stellt mit anderen jungen tibetischen Malern in einer kleinen Galerie für moderne Kunst in Dharamsala seine ausdrucks-starken Ölgemälde aus. Seine Motive sind Menschen aus seinem Kulturkreis. Er möchte einen Eindruck von dem Lebensgefühl seines Volkes, der tibetischen Nomaden, vermitteln. So lebt er unter äußerst bescheidenen Verhältnissen und versucht, seinen beiden Schwestern finanziell nicht zur Last zu fallen. Vielleicht hat jemand von Ihnen eine Idee, ob und wie man ihm zu einem Stipendiat an einer Kunstakademie in Deutschland verhelfen könnte. Ich halte den jungen Mann für sehr begabt.

Sie bezeichnet sich selbst als „einfaches Mädchen vom Lande ohne Bildung“ ( eine Untertreibung, wie sie für die tibetische Kultur typisch ist). Von ihrer Abstammung her ist sie Khampa, und sie wuchs in der Nähe von Chamdo in einem Dorf auf. Sie war schon als Kind „besonders“, stellte Fragen nach dem Sinn und wollte wissen, warum die Dinge sind, wie sie sind. Durch verschiedene merkwürdige Umstände, die man nur als Fügung verstehen kann, kam sie 1994 nach Indien, um S.H. den Dalai Lama zu sehen. Durch eine schwere Erkrankung und andere Hindernisse wurde ihr jedoch lange Zeit keine Audienz gewährt (die sonst alle Flüchtlinge ganz selbstverständlich erhalten) und sie wollte bereits aufgeben und entmutigt nach Hause zurückkehren. Da gelang ihr aber, sich in eine öffentliche Veranstaltung mit Seiner Heiligkeit „einzuschleichen“ und damit kam der Durchbruch. Sie brach bewusstlos zusammen, als sie Seine Heiligkeit sah, überwältigt von seiner kraftvollen Ausstrahlung, die sie als reines Licht wahrnahm. Ihre Fähigkeit, als Orakel zu fungieren manifestierte sich daraufhin und

Seine Heiligkeit bestand darauf, sie zu sehen. Das war der Anfang einer stürmischen Entwicklung. Khandro la lernte im Alter von 20 Jahren lesen und schreiben, begann religiöse Texte zu lesen und zeigte auf Anhieb ein tiefes Verständnis für den Dharma (die Lehre des Buddha), wie es sonst erst durch langjähriges Studium erworben wird. Sie selbst meint dazu, sie „liebe den Dharma“ („I am fond of Dharma“)

und indirekt ausgedrückt, sie können wohl auf Vorerfahrung aus früheren Leben zurück greifen. Es sei nötig, sich mit den Schriften auseinander zu setzen, denn die Praxis der liebenden Güte in ihrer reinsten Form erfordere die Kenntnis der intellektuellen Grundlagen für diese Haltung. „Wie ein Vogel zwei Flügel braucht, um zu fliegen,“ fügt sie hinzu. Das „abhängige Entstehen“ ist eines ihrer Lieblingsthemen und ihre Belehrungen entwickeln eine Eigendynamik, während sie voll Begeisterung spricht, über die sie selbst lachen muss. Durch unser ethisches Verhalten schaffen wir die Voraussetzungen, ein immer tieferes Verständnis des Dharma zu erwerben und den Segen unserer Lehrer fruchtbar werden zu lassen. – Damit ist für mich der Moment gekommen, Khandro la um eine sehr konkrete Unterstützung unserer spirituellen Entwicklung zu bitten. Ich habe erfahren, dass sie in Tibet einen Bruder hat, der als einfacher kleiner Landwirt 9 Kinder zu versorgen hat. Eine Tochter ist bereits im TCV Gopalpur (bei Dharamsala). Sie heißt Dhundup Tsomo und ist 13 Jahre alt. Sie geht in die 6. Klasse. Und ihr jüngerer Bruder, Tenzin Choezom, soll in der nächsten Zeit (so bald wie irgend möglich) nach Indien kommen.

Wenn wir durch unser Dakini Netzwerk Sponsoren für diese Kinder finden, können wir Großzügigkeit und freudigen Eifer praktizieren und damit die Grundlage für eine segensreiche Entwicklung schaffen. Khandro la ist bereit, sich darauf einzulassen und findet es sehr amusant, dass wir unsere Aktivitäten als „Dakinis“ (das Sanskrit-wort für tibetisch „Khandro“) ausführen. Nun hoffe ich darauf, dass sich jemand angesprochen fühlt, diese Chance zu ergreifen!

Als letztes möchte ich von dem kleinen Nga Yeshe Shoonon Rinpoche berichten, der in Bir in einem Sakya Kloster unterrichtet wird. Er kam erst vor knapp zwei Jahren aus Tibet. Sein zwei Jahre älterer Bruder Nyagton Rinpoche lebt schon länger in Indien und zwar 6 Monate in Sikkim in der tibetischen Siedlung Ravengla und den Rest des Jahres in Dehradun im Umfeld S.H. Sakya Trizin. Er ist dem Lelung Kloster zuzuordnen, das wir durch das Dakini Netzwerk seit 4 Jahren unterstützen. Der „kleine Bruder“ feierte just an dem Tag meines Besuchs seinen

12. Geburtstag. Da ich am nächsten Tag abreisen musste, konnte ich leider an der Geburtstagsfeier nicht teilnehmen. Yeshe ist ein ganz besonderes Kind mit einer wunderbar sanften Ausstrahlung und einer ganz besonderen Schönheit. Er soll kein Mönch werden sondern seinen Lockenkopf behalten und später heiraten und Kinder in die Welt setzen, die seine Überlieferungslinie als spirituelle Lehrer fortsetzen. Ich wollte Ihnen diese Begegnung nicht vorenthalten, da sie mein Herz berührte.

Reisebericht Nepal Winter 2010/2011

Meine Weihnachts-Reise nach Nepal war geprägt von den anstehenden Veränderungen: Ich werde mir nämlich nur noch ein Mal im Jahr einen Flug nach Kathmandu und den entsprechenden Praxisausfall leisten können. Meine berufliche bzw. finanzielle Situation hat sich durch meinen Umzug nach Hamburg ein-schneidend geändert. Wir haben geplant, den Patenkindern im Sommer über Sonam, der Schwägerin von Ani Jangsem (die Oberin des Kopan Nunnery), die auf unserem Konto eingegangenen Spendengelder auszahlen zu lassen. Es war mir ein Anliegen, Sonam klar zu machen, wie wichtig es uns ist, den begünstigten Familien, Kindern, Jugendlichen und alten Menschen nicht nur finanziell, sondern mit Rat und Tat beizustehen und sich um eine angemessene Nutzung der Sponsorengelder zu kümmern. Ani Jangsem wird auf Seite der Nonnen und Tibeter, unser Klinikchef Sangye Tenzin für die Nepalesen die Supervision übernehmen. Während meines jetzigen Aufenthalts haben weitgehend Sonam und ich gemeinsam das Geld verteilt. Der Hinterhof des Nachbarhauses, wo Sonam und ihre Familie lebt, bot sich als „Freiluftoffice“ an.

Sie erinnern sich vielleicht, das ich ursprünglich nach Solokhumbu fliegen wollte.

Diese Tour wurde abgesagt, weil die Temperaturen zu extrem waren. Der Besuch des Geländes, auf dem ein spirituelles Heim für die bedürftigen alten Menschen dieser abgelegenen Gebirgsregion errichtet werden soll, wurde verschoben. Statt dessen zeigte uns Sangye, der Projektleiter und Bruder von Lama Zopa Rinpoche, einen Dakini-Tempel in Suyambunath und das silberne Buch, das von Manjushri selbst verfasst worden sein soll und in Kathmandu als großes Heiligtum aufbewahrt wird. Nur eine begrenzte Zahl von Besuchern darf es zu eingeschränkten Zeiten bewundern.

Die Zeit meines Aufenthalts in Kopan war geprägt durch die nächtlichen Belehrungen

von Lama Zopa Rinpoche verbunden mit der Übertragung des „Sutras vom Goldenen Licht“. Der Schlaf kam dadurch zu kurz, denn am Morgen hieß es trotzdem um 5 Uhr aufstehen, um an der gemeinsamen Morgenpuja teilzunehmen. Es war eine inspirierende, aber auch erschöpfende Erfahrung, ich fühlte mich tagsüber wie in Trance. Spiritueller Höhepunkt war die Einweihung in den weißen Heruka, ein Ritual zur Unterstützung der Lebenskraft und der Beseitigung von Hindernissen. Anlass hierfür war leider die Erkrankung von Khenrinpoche Lama Lhundrup, der unter ernsten Störungen im Magen-Darm-Trakt leidet. Es wurde sogar kurzfristig eine Reise nach Singapur zu einem medizinischen Checkup anberaumt.

Trotz seines bedenklichen Gesundheitszustands ließ es sich Khenrinpoche nicht nehmen, der Eröffnung des fünftägigen Examens der „Nepal Buddhist Gelupa Assosiacion“ teilzunehmen. Es handelt sich hierbei um eine neue, Klöster übergreifende Prüfungsordnung für die Studenten der buddhistischen Philosophie. Sehr erfreulich fand ich, dass bei diesen Prüfungen zwischen Nonnen und Mönchen kein Unterschied gemacht wurde, was bislang keine Selbstverständlichkeit war.

Erstaunliche Neuerungen gab es auch in Bezug auf soziale Aktivitäten der Mönche.

Eine Truppe von acht Freiwilligen reiste nach Okladungha, einem Randgebiet Nepals, und verteilte 80 Solarlampen (es gibt dort noch keine Elektrizität) in den Haushalten. Darüber hinaus malten sie das neu errichtete Schulgebäude für die Dorfkinder aus. Ich habe den Eindruck, dass dieser „soziale Einsatz“ durch den Kontakt mit dem Westen und der christlichen Tradition der praktizierten Nächstenliebe zustande kam. Ich finde das eine sehr erfreuliche Entwicklung, ein Zeichen gegenseitiger Befruchtung der Kulturen.

Weiniger positiv ist die immer noch sehr labile politische Lage in Nepal, die explosionsartig steigenden Lebensmittelpreise (1kg Äpfel umgerechnet 2€ /
kein Touristenpreis!) und die eingeschränkte Stromversorgung (11 Stunden am Tag gibt es keine Elektrizität!) Das beeinträchtigt natürlich das alltägliche Leben erheblich.

Die Kommunikationsmittel wie PC und Fax sind nur begrenzt einsatzfähig, wenn man nicht selbst Strom erzeugen kann oder einen „Konverter“ besitzt. (Das ist ein Gerät, das Strom speichert, um ihn bei Bedarf später abzugeben.) Ich war sehr überrascht, elektrische Haushaltsgeräte (Staubsauger, Waschmaschinen etc.), in Privat- haushalten zu sehen. Es wird weiter in einem geradezu beängstigendem Tempo gebaut, stattliche Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden und man fragt sich, wie die Versorgung mit Wasser und Elektrizität, die Entsorgung des Mülls (die es nicht gibt, die aber dringend erforderlich wäre!) klappen soll. Das Jahr 2011 wurde zum „Tourismusjahr“ erklärt und man erwartet von offizieller Seite eine Million Besucher aus dem Ausland. Selbst das umfassende finanzielle Engagement Chinas kann die Löcher im öffentlichen Haushalt zum Aufbau der Infrastruktur nicht stopfen!

Überraschend war die Situation im TRC (Tibetan Reception Center), wo sich etwa 200 Flüchtlinge (darunter 15 Kinder) tummelten. Ein Teil von ihnen wird nach einer Pilgerfahrt nach Indien zu S.H. dem Dalai Lama nach Tibet zurück kehren, die anderen werden in Indien bleiben, um ein neues Leben in politischer Freiheit zu beginnen. Die chinesische Regierung hat in diesem Winter großzügig Visa vergeben und die nepalesische Regierung stellt dem Weitertransport nach Indien keine Hindernisse entgegen. Regelmäßig gehen Busse mit etwa 40 Leuten vom TRC nach Delhi und von dort nach Dharamsala.

Die Mitarbeiter des TRC erwarteten meinen Besuch als Vertreterin des Dakini-Netzwerks mit großen Hoffnungen, denn einige von ihnen haben großen Bedarf an finanzieller Unterstützung für ihre Kinder. Ich habe ihnen versprochen, ihre Bewerbungen nach meiner Rückkehr nach Deutschland auf unsere Homepage
zu stellen.

Eine große Freude bereitete mir der Besuch von Namdroel, die so schwer an Tuberkulose erkrankt ist, dass sie sich bislang kaum auf den Beinen halten konnte. Ihr Gesicht wirkt voller, sie spricht mit der Stimme einer Erwachsenen (während sie früher nur hauchen konnte) und sie kann wieder mit Appetit essen. Den Umschwung brachte die Behandlung mit einem sehr potenten (und teuren) Antibiotikum kombiniert mit der Umstellung des Tuberculostaticums. Ihre frühere Tutorin in der Krankenschwesternausbildung kennt eine Ärztin in einer der westlichen Kliniken in Kathmandu und sie veranlasste die neue Behandlungsstrategie. Nun können wir darauf hoffen, dass Namdroel in einem halben Jahr wieder auf den Beinen sein wird und um eine Ausbildung als Lehrerin zu beginnen. Das ist jetzt ihr Ziel.

Die Kopannonne Choekyi mit ihrer Lungenspitzentuberkulose hat es dagegen nicht geschafft. Sie ist in Tibet im Kreise ihrer Familie ihrer Krankheit erlegen.

Abschließend möchte ich Ihnen noch von unserem alt bekannten Ehepaar Ama Dawa (66 Jahre) und Pala Pendo (75Jahre) berichten. Seit ihr Grundauskommen durch eine Patenschaft über das Dakini-Netzwerk gesichert ist, gehen sie mit großer Hingabe auf Pilgerreisen, um an heiligen Orten für ihre Patin, das Dakini-Netzwerk und alle Wesen zu beten. Sie scheuen keine Strapazen. Um die Reisekosten möglichst gering zu halten, zwängen sie sich in überfüllte Jeeps, ausgestattet mit ihrer Thermoskanne und ihrem Zelt. Unterwegs werden sie oft von Bekannten und Freunden verpflegt und grundsätzlich brauchen sie nicht mehr als ihr Tsampa mit Buttertee. So sind sie auch dies Mal wieder erfüllt und heiter aus Tibet zurück gekommen, strahlend vor Zufriedenheit, trotz mancher körperlicher Gebrechen.

Hiermit beende ich meinen Bericht und hoffe, Ihnen ein wenig von den vielfältigen und inspirierenden Eindrücken vermittelt zu haben.

Im Namen aller unserer großen und kleinen Patenkinder möchten wir Ihnen für Ihre Unterstützung danken und Ihnen versichern, dass Gebete und gute Wünsche in Hülle und Fülle für Sie zum Himmel gesandt werden. Möge das neue Jahr Ihnen viel Glück und Segen bringen und all Ihre Pläne sich verwirklichen lassen. Mögen Sie immerzu Gesundheit Zufriedenheit, Wohlstand und innere Ruhe erfahren.

Im Namen des Dakini-Teams

Ihre

Eva Anderson